James Bond, 99, ist der schlechthinnige Geheimagent Ihrer Majestät, also der britischen Königin, und schon etliche Jahre in dem harten Undercover-Geschäft unterwegs. Nun feiert der verdiente, weder um anzügliche Witze noch um harte Fausthiebe verlegene Mann seinen Geburtstag. Besser gesagt: Er wird gefeiert, und zwar in Wattenscheid. In dem Bochumer Stadtteil verkünden seit vergangener Woche mehrere Dutzend Plakatwände ein freudiges „Happy Birthday, James“ und haben einen quasi-seriösen Grund dazu: Laut der (fiktiven) Biografie von John Pearson, der selbst ein enger Mitarbeiter des 007-Erfinders Ian Fleming war, wurde Bond am 11. November 1920 dortselbst geboren.

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„Liebe Grüße aus Wattenscheid“ statt „Liebesgrüße aus Moskau“ – auf riesigen Plakaten gratuliert der Bochumer Stadtteil dem Agenten zum 100. Geburtstag.

Klingt nach einer tollen Geschichte. Demnach war James’ Vater Andrew Bond nach dem Ersten Weltkrieg als Mitglied der alliierten Besatzung in Wattenscheid tätig und Mutter Monique brachte den späteren Geheimagenten hier zur Welt. Vier Jahre lang soll die Familie im Ruhrgebiet gelebt haben, bevor sie 1924 dann nach Ägypten zog … Aber Halt, Ian Fleming, der im Zweiten Weltkriegs selbst britischer Geheimdienstler war, könnte die Figur James Bond doch nach eigenem Vorbild entwickelt haben. In seinen Memoiren erwähnt er ansonsten den britischen Marineoffiziers Patrick Dalzel-Job, der ebenfalls im Zweiten Weltkrieg erfolgreich hinter den feindlichen Linien spionierte.

Darüber hinaus bezieht sich Flemming neben einigen anderen Spionen auch auf den britischen Aufklärungsoffizier, Vogelkundler und Hochstapler Richard Meinertzhagen. Kurzum, James Bond hat eine sehr vielfältige, wohl nicht nur auf Wattenscheid zu beschränkende Herkunft. Passend dazu ist auch, dass Fleming den Namen James Bond bei Agatha Christie entdeckt haben könnte; die Schriftstellerin hatte ihn schon für die Hauptperson in ihrer 1934 veröffentlichten Erzählung „Der Smaragd des Radschas“ verwendet. Nach eigenen Aussagen bediente er sich bei dem Ornithologen James Bond, auf dessen Buch „Birds of the West Indies“ er gestoßen war – Flemming war begeisterter Vogelbeobachter.

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Die erste Bond-Waffe: eine halbautomatische Pistole vom Typ Walther PP.

Ob man all das in Wattenscheids Stadtmarketing-Abteilung weiß? Schwamm drüber. Zu guter Letzt noch eine Meldung aus dem wirklichen Leben: Eine Pistole, die Bond-Darsteller Sean Connery bei seinem ersten Auftritt als Geheimagent in „James Bond – 007 jagt Dr. No“ (1962) benutzte, soll versteigert werden. Die berühmte Waffe, eine halbautomatische Walther PP, wird auf 150.000 bis 200.000 Dollar geschätzt, wie das Auktionshaus Julien’s Auctions in Beverly Hills mitteilte. Nach dem Tod der Filmlegende soll nun ein Foto von Sean Connery, auf dem er die Pistole in der Hand hält, den Auktionskatalog zieren.