Jan Hofer macht vor der Kamera Schluss.
Foto: Swen Pförtner/dpa

Strenggenommen kann die Nachricht gar nicht wahr sein. In der Welt der verlässlichen Werte nimmt Jan Hofer eine derart unverrückbare Stellung ein, dass man seine Demission aus dem Amt des Chefsprechers der ARD-„Tagesschau“ für „fake news“ halten mag. Was immer in der Welt passierte und einem größeren Publikum mitgeteilt werden musste, präsentierte der Moderator seit 1985, als er zur „Tagesschau“ stieß, in einer derart stoischen Ruhe, dass man selbst Revolutionen und Naturkatastrophen mit einer gewissen Beruhigung zur Kenntnis nahm. Wenn die „Tagesschau“ pünktlich mit einem sonoren „Guten Abend, meine Damen und Herren“ beginnt, ist noch nicht alles verloren.

Erstmal die Fakten: Jan Hofer drückte diese unbedingte Voraussetzung des Genres, das auch eine Form der Fernsehunterhaltung ist, allein schon durch seine zurückgenommene Erscheinung aus. Er dramatisierte nicht, er trug vor. Er posierte nicht, er gab wieder. Demonstrative Glanzlosigkeit war sein Programm, aber gerade dadurch verlieh er der Nachricht als medialer Form eine Seriosität, die zuletzt von nicht wenigen gesellschaftlichen Kräften immer stärker bestritten wird.

Zur Erscheinung der Fernsehfigur des Jan Hofer gehört jedoch der performative Widerspruch, dass wir ihn seit Jahrzehnten nahezu täglich sehen, ohne wirklich etwas über ihn zu wissen. Eine besondere Pointe bietet diesbezüglich sein Geburtsdatum, das wahlweise mit dem 31. Januar 1950 bzw. 1952 angegeben wird. In Büderich am Niederrhein geboren, studierte der Sohn eines Handwerkers Betriebswirtschaft in Köln, liebäugelte zu dieser Zeit aber bereits mit dem Journalismus. Nach Jobs bei der Deutschen Welle nahm er 1976 ein Volontariat auf, das ihn durch verschiedene Rundfunkanstalten der ARD führte.

Jan Hofer war Ausflügen in die Moderatorenrolle gegenüber nicht abgeneigt. Von 1989 bis 1991 versuchte er sich in der NDR-Talkshow, später auch in der Talkshow „Riverboat“. Zwischen 1987 und 1993 moderierte er zudem die Jazz-Musikreihe „Swing-Raritäten“. Der gediegene Glamour des Swing passte zweifellos zu Jan Hofer, aber im Verlauf seiner jahrzehntelangen TV-Gegenwart „swingte“ nichts mehr als die Kontinuität der täglichen Wiederkehr im Dienste der Informationsvermittlung.

Ganz überraschend kommt der Rückzug des mutmaßlich 68-Jährigen nicht. So unangenehm es ihm gewesen sein dürfte, wurde der Vater von vier Kindern vor einiger Zeit selbst zum Gegenstand einer Nachricht. Nach einem Schwächeanfall vor laufender Kamera machten sich viele seiner nicht wenigen Fans Sorgen. Zum Ende des Jahres wird Jan Hofer seine letzte „Tagesschau“ moderieren. Der Sender scheint bemüht, die Fassung zu wahren. Der Neu-Chefsprecher, Jens Riewa, ist seit 1991 dabei. Kontinuität ist das Programm.