Der Held dieses Romans ist ein Schrumpfkopf. Das ist eine Trophäe, die aus der Kopfhaut eines getöteten Feindes angefertigt wird, eine Sitte, an der einige südamerikanische Völker bis in das 19. Jahrhundert hinein festhielten. Der Begriff Tsantsa für Schrumpfkopf kommt aus der Indianersprache der Jivaro. Für die Kopfjäger waren die Tsantsa rituelle Gegenstände, sie glaubten, die Kraft des Gegners ginge mit ihrer Hilfe auf sie über. Schrumpfköpfe übten auch auf  Europäer Faszination aus, bald wurden sie ein beliebtes Mitbringsel aus Südamerika. Die Nachfrage stieg, Menschen wurden gejagt, um Schrumpfkopfmaterial zu erbeuten. Der Held dieses Romans ist also ein Gewaltprodukt.

Überhaupt klingt die Idee, einen Schrumpfkopf in den Mittelpunkt eines Romans zu stellen, ziemlich irre. Ist es aber eigentlich nicht. Sein Schöpfer Jan Koneffke brauchte eine Figur, die ihn in die Lage versetzt, 200 Jahre Geschichte zu erzählen. Ein Menschenleben reicht da nicht. Man braucht einen, der unsterblich ist. Einen Schrumpfkopf, der denken und fühlen kann.

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