Die Redaktion von „Günther Jauch“ hatte sich für die Themenkombination Griechenland und Eurokrise entschieden, und die tagesaktuellen Meldungen gaben ihr Recht: Der griechische Premier Papandreou verzichtet auf sein Amt; ein Übergangskabinett soll die Geschicke des verschuldeten Landes übernehmen.

Bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales und stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Ursula von der Leyen kommen die Argumente mittlerweile wie geölt. Im Oktober schon hatte sie bei „Menschen bei Maischberger“ zum Thema Griechenland diskutiert und sich mit sachkundigen Beiträgen und einem gewissen Mut zur gedanklichen Offenheit profiliert. Fand sie sich damals unfreiwillig mit einigen Positionen an der Seite der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht wieder, so war es diesmal der Fraktionsvorsitzende der Linken, Gregor Gysi, der der Ministerin in manchen Punkten zustimmen musste.

Einigkeit bestand teils sogar mit dem genüsslich provozierenden Max Otte, seines Zeichens Professor für Betriebswirtschaftslehre, der Griechenland der Eurozone verwiesen sehen möchte, aber wie von der Leyen und Gysi die Ansicht vertritt, dass die Verluste der Großbanken nicht länger dem Steuerzahler aufgebürdet werden sollen. Otte verwendet in dem Zusammenhang den Begriff Sozialismus, was Gysi mit Recht als verbalen Missgriff tadelte.

Weitere Diskussionsteilnehmer waren die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, bekannt aus dem ARD-Vorabendprogramm, wo sie regelmäßig bis zur Unverständlichkeit reduzierte Stammelsätze abfeuert, ferner der deutsch-griechische Journalist Michalis Pantelouris.

In dieser Zusammenstellung ließ sich trefflich streiten. Einmal gerieten Anja Kohl und Ursula von der Leyen sogar in ein heftiges Wortgefecht, welches der eigentlich für seine Diskussionsleitung honorierte Günther Jauch fast schon lethargisch eine Weile laufen ließ, ehe er sich zum Eingreifen entschloss. Nur moderierte er nicht, wie es seine Aufgabe gewesen wäre, er wählte die einfachere Lösung und wechselte kurzerhand das Thema. Kohl hatte behauptet, der Geldmarkt sei an Griechenland gar nicht mehr interessiert; von der Leyen parierte, Kohl unterschlage einen wichtigen Aspekt. Welcher das ist, hat das Publikum nie erfahren.

Schuldenkrise, Eurorettung, überhaupt die vielen abstrakten Aspekte der Finanzwirtschaft lassen sich im schnellen Wortwechsel nicht hinlänglich, das heißt verständlich, darstellen. Darum griff auch diese Redaktion, wie zuvor schon die anderer Talkshows, auf filmische Mittel zurück. Man bediente sich beispielsweise eines Beitrages von „Report Mainz“, um das Interesse griechischer Investoren an deutschen Immobilien zu illustrieren.

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