Cottbus - „Es muss noch etwas anderes geben, als die Chefs da oben“, sagt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sich selbst etwas auf die Schippe nehmend zu den kommunalen Akteuren des diesjährigen Lausitz Festivals. Kretschmer und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sind Schirmherren des Kulturevents. Auch im dritten Jahr seines Bestehens verspricht das Festival außergewöhnliche Kulturerlebnisse. An 25 Orten werden von Ende August bis Mitte September 550 Kunstschaffende im Grenzland zu Sachsen, Polen und Tschechien auftreten. Festival-Intendant Daniel Kühnel hat das Programm am Donnerstag im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) in Cottbus vorgestellt.

Von Görlitz bis Bad Liebenwerda, von Oybin bis Forst und bis ins polnische Zgorzelec wird gespielt und gesungen. Unter anderem finden Jazz- und Klassikkonzerte statt, es gibt Theateraufführungen, Chorauftritte, Liederabende, Lesungen und philosophische Gespräche. Weltstars wie die Pianistin Martha Argerich, Violinist Gidon Kremer und der 87-jährige Jazzmusiker Abdullah Ibrahim werden an ungewöhnlichen Orten auftreten, etwa in Dörfern, Scheunen, Kirchen und - wie das georgische Ensemble „Basiani“ - in einer Klosterruine.

Auftrittsorte sind unter anderem auch die evangelische Dorfkirche Cunewalde, Gut Saathain (Elbe-Elster), die Brikettfabrik Louise, Schloss Branitz in Cottbus und das Neue Schloss Bad Muskau. Für Besucher haben die Veranstalter eine Karte zur Orientierung erstellt.

Unter dem Motto „aufBruch“ geht es bei dem Mehrsparten-Festival laut Intendant Kühnel auch um die Frage, wie viel ein Aufbruch beinhalten darf, wenn er gelingen soll. Passend dazu hat als Auftakt William Shakespeares Tragödie „Caesar“ von Regisseur Stefan Pucher in einer wieder nutzbar gemachten Glasindustriehalle in Weißwasser (Görlitz) Premiere. In dem Stück gehe es um das Verhältnis von Führung und Volk, wie Kühnel erläutert. Es passe zum Thema, weil es auch politische Umwälzungen als Ausdruck von tiefen kulturellen Verschiebungen betrachte. Der Intendant schlägt damit auch einen Bogen in die Lausitz. Die Region habe seit Jahrhunderten Transformationserfahrungen, was ein Schatz und auch eine Kraft sei.

Natürlich sei Wirtschaftsentwicklung, Industrieansiedlung, und Wertschöpfung wichtig für die Transformation der Lausitz, sagte die Chefin der Brandenburger Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, bei der Programmvorstellung. „Das wird aber nur gelingen, wenn wir auf gute Arbeits- und Lebensbedingungen schauen und da gehört einfach Kunst und Kultur dazu (...).“ Von der Landesregierung sei die Unterstützung des Lausitz Festivals bereits 2019 ins Sofortprogramm aufgenommen worden, so Schneider.

Bei dem Festival sei es nie um ein Strohfeuer gegangen, sondern um Nachhaltigkeit, betonte Sachsens Regierungschef Kretschmer. „Wir wollen, dass sich die Region in Brandenburg und Sachsen positiv entwickelt.“ Das Lausitz Festival als „Marke“ trage dazu bei.