Das Jazzfest Berlin ist seit 56 Jahren eines der angesehensten Festivals seiner Art in Europa. Seit 2018 wird es von Nadin Deventer geleitet, und sie hat es durch starke weibliche Präsenz, als Leaderinnen und in den Ensembles, sowie durch den wachen Blick auf die lokalen wie internationalen jungen Entwicklungen entschlossen modernisiert. Dies allerdings, ohne die Tradition aus den Augen zu verlieren, indem sie die Musiker und Musikerinnen auch in den Konzerten vernetzte: 2018 spielten zum Eröffnungsfinale alle Musikanten der zehn vorgestellten Ensembles zusammen in allen Räumen des Festspielhauses; in einer grandiosen Inszenierung ließ Anthony Braxton im letzten Jahr den gesamten Gropius Bau mit gut 60 Musikern bespielen. Sie holte Londoner Nouveau-Jazzer wie Nubya Garcia, die jungen Amerikaner aus dem Umfeld des „International Anthem“-Labels wie Makaya McCraven, Jaimie Branch und Angela Bat Dawid, und sie gab 2018 der US-Gitarristin Mary Halvorson eine Residenz, ein Jahr bevor diese den mit 650.000 Dollar dotierten Genius Award der MacArthur-Stiftung erhielt.

Immerhin mit flächendeckender Ausstrahlung durch die Festivalpartner der ARD-Anstalten, Deutschlandfunk Kultur und Arte Concerts wird das Festival in diesem Jahr nur per Stream aus dem Silent Green stattfinden, wohin es während des Umbaus des Festspielhauses umzog – was erst am Vorabend des Gesprächs vom Berliner Senat beschlossen wurde. Spürbar auf Adrenalin ist Nadin Deventer bei unserem Treffen am Freitagnachmittag im Silent Green.

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