Wir fahren diesmal mit dem VW-Bus meines Bruders in den Urlaub, vier Kinder, drei Erwachsene, der Bus ist voll beladen mit T-Shirts, Shorts, Pullovern, Regenjacken, Trinkflaschen, klein geschnittenen Möhren, Töpfchen, Fiebersaft, einem aufblasbaren Schlauchboot, Büchern. Drei Wochen vor der Abfahrt begann ich mit einer Packliste, es wurden zwei Seiten, eng beschrieben. Wir fahren nach Bayern, aber ich könnte jetzt auch Expeditionen auf den Mars planen.

Im vergangenen Jahr hatte ich einen Urlaub in einer malerisch gelegenen italienischen Eltern-Kind-Anlage gebucht. Ich hatte mir vorgestellt, unsere Kinder würden herumrennen und mit Gleichaltrigen spielen, während wir im Schatten saßen und Wein tranken. Das funktionierte auch, zumindest für die anderen Eltern. Unsere Kinder achteten drauf, sich nie weiter als zehn Zentimeter von uns wegzubewegen. Am Strand stellte sich heraus, dass mein Sohn Angst vor den Wellen hatte und nur in einer bestimmten Lagune mit zweifelhafter Wasserqualität baden wollte. Meine Tochter weinte, sobald sie Sand zwischen die Zehen bekam, was sich am Strand selten vermeiden ließ. 

Mein Sohn sagte: Bäh!

Abends gab es in der Eltern-Kind-Anlage ein Vier-Gänge-Menü, die Tische waren weiß gedeckt, auch die Kinder bekamen Porzellangeschirr. Meine Tochter, damals anderthalb, sie zog an der Tischdecke und griff nach einer Glasschale. Die Wirtin brachte den ersten Gang, ein paar Scheiben gegrillte Auberginen. Mein Sohn sagte: Bäh! Meine Tochter stopfte sich Brot in den Mund. Meine Muskeln spannten sich an, mein Sohn quengelte. Wann kommt das Essen? Und was machten wir hier?
Italienische Kinder sind es wahrscheinlich gewöhnt, Vier-Gänge-Menüs zu absolvieren. Sie summen ein bisschen „Azzurro“ von Adriano Celentano oder spielen die schönsten Tricks von Buffon, dem Torhüter, nach. Wenn italienische Kinder eine Glasschale runterschmeißen, dann lachen ihre italienischen Eltern.

Wenn ein deutsches Kind eine Glasschale runterschmeißt, schämen sich seine Eltern, vor allem vor den anderen Eltern, deren Kinder stets brav wirken. Ich kroch auf allen vieren auf dem Boden herum, sammelte Scherben auf und summte „Azzurro“. Wir schafften es bis zum dritten Gang, dann brachte einer die Kleine ins Bett. 

Stöcke und Steine

Im nächsten Urlaub hatten wir dazugelernt, keine Flugreise, nur Ostsee. Wir fuhren los, ohne ein einziges Spielzeug mitzunehmen. Ich hatte zwei dicke Romane für mich eingepackt. Es war, als hätten wir vergessen, dass wir zwei Kinder haben. Das Hotel war modern-spartanisch eingerichtet. Im Kindergarten nennen sie das „spielzeugfreie Zeit“, wenn alle Bauklötze, Puppen, Autos für zwei Monate in die Schränke gepackt werden. Das soll die Kreativität anregen. 

Es war Winter, wir spazierten am Strand entlang. An der Promenade gab es einen Touristenladen, der Spielzeug verkaufte. Immer, wenn wir vorbeikamen, bettelten die Kinder. Wir sagten, dass es viel schöner sei, draußen Stöcke und Steine zu sammeln. Am vierten Tag, nachdem wir alle Stöcke aufgesammelt hatten, gaben wir nach und kauften im Touristenladen zwei Spielzeugautos aus Plastik. Die Kinder bauten aus Stöcken Garagen für die Autos, sie waren zufrieden, und wir waren es auch. 

In jedem Urlaub lernen wir ein bisschen dazu. Und jedes Mal sagt der Große danach: „Das war der allerschönste Urlaub der Welt.“