Der Jazzgitarrist Jeff Parker im Kreuzberger Gretchen
Foto: Roland Owsnitzki

BerlinEs kommt nicht so oft vor, dass man von der Besetzung einer Jazzband überrascht wird. Schon gar nicht, wenn sie aus Bass, Gitarre, Keyboards, Saxofon und Drums besteht. 

Bei Jeff Parkers New Breed ist das insofern anders, als er sein neues Album „Suite For Max Brown“ ganz allein eingespielt hat. Der Gitarrist hat sie mit Loops und Beats ausgelegt – und dann erst Musiker dazu geholt, die das Ganze aus der elektronischen Produktion in die Sphären des Jazz gebracht haben. Und so steht am Dienstag im Gretchen eine Band auf der Bühne und groovt sich mit dem lasziven Neo-Soul-Beat „Executive Life“ vom ersten New Breed-Album ein – beckentiefer Bass, leicht verschlepptes Gitarrenlick und ein sacht-schiefer Souljazzbläsersatz. Es klingt wie eine Reminiszenz an die späten Neunziger, als die Soulquarians-Produzenten J Dilla und Questlove Thompson dem HipHop-Soul von Erykah Badu und D’Angelo eine feine Jazznote beimischten.

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Jeff Parker: Zurück zu John Coltrane

Andererseits deuten die atmosphärischen Abschweifungen im Mittelteil an, wie weit Parker seine Musik fasst. Sie reicht zurück bis zu einem meditativen „After the rain“ von John Coltrane bis zum perkussiv-nervösen „Fusion Swirl“ oder einem Gesangsstück, das Parker seinem „joke orange idiot president“ widmet und dessen Text aus einem gegrunzten „Go Away“ besteht.

Die kleine Besetzung hindert die Band nicht daran, durch Synthie vom Bassisten Paul Bryan, diverse Keyboards vom Saxofonisten Josh Johnson und Effekte vom Drummer Jamire Williams zur Kolorierung leise-gedämpfter Stücke einzusetzen. Der 52-jährige Parker hat zwei New Breed-Alben jeweils seinem Vater und seiner Mutter Maxine gewidmet. Aber er lässt auch souverän die markanten Strömungen seiner bisherigen Karriere einfließen: Mit Tortoise prägte er den Chicagoer Postrock, der mit elektronischer Unterstützung einen offenen Rock mit Zitaten aus Dub, Jazz, und Exotica verband. Zugleich gehörte er zum Kreis der afroamerikanischen Improvszene des AACM, die den Free Jazz seit den Sechzigern für Kompositions-Avantgarde und globalisierte Traditionen öffnen.

Schräge Sounds aus dem Pedal

Mittlerweile ist Parker nach L.A. gezogen, aber seine Samplefusion orientiert sich mehr an den Jazzexperimentalisten aus seinem Chicagoer Umfeld oder am derzeit von L.A. her prägenden Produzenten Flying Lotus und dem  Sound seines Brainfeeder-Labels. Parkers Elektronik schmiegt sich beiläufig an die analogen Instrumente, sein Gitarrenspiel bleibt zurückhaltend und umsichtig, obwohl er überraschende Sololinien erfindet und schräge Sounds aus den Pedalen holt. Im Konzert entsteht dabei der Eindruck einer Traditionslinie, die noch hinter die Neuerungen der Sechziger zurückgreift: The New Breed arbeiten an einem virtuosen neuen Cool.