Jella Haase spielt in „Berlin Alexanderplatz“.
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BerlinAlfred Döblin schreibt, „das Mädel ist so zart, dass mans nicht glauben kann“. Sie „sieht im weißen leichten Kleidchen mit bloßen Armen wie ein Schulmädchen aus“. Seinem Franz Biberkopf „paukt das Herz“, als er mit ihr über die Straße geht. Barbara Sukowa war 1980 in Fassbinders Verfilmung von Döblins bekanntestem Roman „Berlin Alexanderplatz“ die Mieze. In der neuen Interpretation des Buchs für die Leinwand wählte Burhan Qurbani dafür Jella Haase aus.

Nicht zum ersten Mal geht die 27-Jährige über einen roten Teppich bei der Berlinale, doch in einem Wettbewerbsfilm anzutreten so wie an diesem Mittwochnachmittag, ist für sie auch sehr besonders. Am Freitag kam sie zur Eröffnung von Generation 14plus: In  „Kokon“ über Mädchen an der Schwelle zum Erwachsensein hat sie ebenfalls eine Hauptrolle.

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European Shooting Star 2016

Beide Filme spielen im Berlin der Gegenwart, doch in Tonlage und Tempo unterscheiden sie sich stark. Jella Haases Kino-Karriere begann bei den Filmfestspielen hier, nachdem sie bereits einige Fernsehrollen hatte. 2011 lief „Lollipop Monster“ in der Perspektive Deutsches Kino, ein Jugenddrama mit schriller Komik und ernsthaft erzählten tragischen Passagen.

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2016 kam Jella Haase auf die Berlinale als eine der zehn besten jungen Schauspieler des Kontinents, als European Shooting Star. Da war sie in Deutschland schon berühmt als Chantal, eine vorlaute Göre aus der Klasse 10B in „Fack ju Göhte“, dem besucherstärksten Film 2013. Dessen Regisseur Bora Dagtekin holte sie auch für die Fortsetzungen und für „Das perfekte Geheimnis“ – mit über vier Millionen Zuschauern der meist gesehene deutsche Film 2019.

Anders als Döblins Mieze, die in Bernau geboren ist, kommt Jella Haase wirklich aus Berlin, ist in Kreuzberg und Schöneberg zur Schule gegangen. Sie probiert sich inzwischen in Mitte am Theater aus, an der Volksbühne – in drei Wochen ist sie dort in der Uraufführung „Der Kaiser von Kalifornien“ zu sehen.

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Neue Mieze ist zäh

Jella Haase, an der auf Fotos immer zuerst das zugewandte Lächeln auffällt, zeigte eine fiese Seite im Film „Kriegerin“ aus der Neonazi-Szene, war ein Therapeutenschreck in „4 Könige“ über ein Jugendheim, tröstete als liebes Dienstmädchen das Alpenkind „Heidi“, gastierte als Polizeianwärterin im MDR-„Tatort“.

In „Berlin Alexanderplatz“ ist die neue Mieze nicht nur zart wie in der Buchvorlage; sie muss sich als ziemlich zäh erweisen. Zu Franz, der 2020 Francis heißt, sagt sie: „Weißt du, was mein Geheimnis ist? Ich bin nicht aus Zucker. Ich bin aus Marmor.“