Köln - Am Ende stehen zehn Kilo Gewichtsabnahme und die Erkenntnis, dass langes Hungern den Körper schwächt. Ach was, möchte man da rufen. Für seine RTL-Reihe „Das Jenke Experiment“ (Montag, 21.15 Uhr, RTL) beschäftigt sich Jenke von Wilmsdorff im vierten und letzten Teil der aktuellen Staffel mit Essstörungen. Und weil das Konzept der Show nun mal zwingend einen Selbstversuch vorsieht, entschließt sich der 50-Jährige, 28 Tage nichts zu essen. Was das bringen soll? Er wolle der Frage nachgehen, warum Menschen freiwillig hungern, sagt von Wilmsdorff.

Und selbst wenn man ihm zugesteht, dass er mit den besten Vorsätzen in diese vier Wochen Essensverweigerung geht, muss man am Ende festhalten: Sein Experiment ist gescheitert. Hier geht es nicht um Erkenntnisgewinn, hier ist der Zuschauer am Ende nicht schlauer. „All das ist zur Nachahmung nicht empfohlen, denn das Spiel mit dem Hunger kann tödlich enden“, wird er irgendwann im Laufe der Wochen sagen.

Und genau das ist das Problem. Hier führt einer unter dem Vorwand der Aufklärung permanent vor, dass er eben doch ein bisschen cleverer als alle anderen ist. Denn während Essgestörte in die Anorexie abgleiten, schafft unser RTL-Held natürlich den Absprung. Aber nicht, ohne dass vorher ein Psychologe bestätigt, dass er jetzt an einem gefährlichen Punkt angekommen sei. Er hat es also wirklich zur Essstörung gebracht, aber er bleibt natürlich nicht in ihren Fängen.

Seht her, ich besiege den Hunger

All das wird auf unerträgliche Weise permanent während der Gespräche mit Betroffenen zelebriert. Jenke ist bei einer Familie eingeladen, deren einzige Tochter an Magersucht erkrankt ist. Sie laden ihn zum Grillen ein, doch er lehnt heroisch ab. Natürlich alles nur im Dienste der Aufklärung. Er lädt sein Team zum Essen ein, sitzt daneben und schaut ihnen mit großen Augen zu, wie sie es sich schmecken lassen. Er streichelt und riecht an einem Brot, isst es aber nicht. Er geht mit stark übergewichtigen Jugendlichen, die in einer Abnehmklinik sind, wandern und lehnt den Belohnungskeks, den alle kriegen, ab. Und jede einzelne Szene schreit penetrant: „Seht her, ich besiege den Hunger.“ Dazwischen gibt es nichtssagende Aussagen wie „Nur mein Teller, der bleibt mal wieder leer“ oder „Ich kann wirklich beobachten, dass ich täglich dünner und dünner werde.“

Wem soll diese Erkenntnis nützen? Die Krone setzt er dem ganzen Irrsinn am Schluss auf, als er sich unbedingt übergeben will, nachdem er zum ersten Mal wieder gegessen hat. Irgendwann gelingt es ihm dann auch. Herzlichen Glückwunsch, da haben wir das Thema Bulimie ja auch noch abgehakt.

Vor allem ist dieses ganze Experiment deshalb so ärgerlich, weil es die Menschen, die wirklich betroffen sind, die Krieg mit ihrem Körper führen, die drohen an dieser Krankheit zu sterben, nur am Rande zu Wort kommen lässt. Sie verkommen zu Statisten. Dabei sind sie es, die erklären können, warum man sich und seinem Körper so etwas antut. „Die Magersucht war meine beste Freundin“, schildert eine Betroffene diese kranke Hassliebe zu der Krankheit. Da bekommt man ein Gefühl dafür, was der Grund ist, warum sich Menschen in einer Überflussgesellschaft zu Tode hungern. Doch solche Augenblicke sind selten.

Und die Moral der Geschichte?

Am Ende läuft Jenke von Wilmsdorff dann noch als übergewichtiger Mann verkleidet durch Köln und lässt sich als „Fettsack“ beschimpfen. Und die Moral von der Geschichte? „Mir ist bewusst geworden, dass Essstörungen eine schwere psychische Erkrankung sind.“ Und es wird noch besser: „Wer mit sich selbst zufrieden ist und auf sich aufpasst, wer sich sein Lächeln bewahrt, auch wenn es manchmal schwer fällt, wer Freundschaften pflegt und die Familie hinter sich weiß, wer schlicht ein gesundes Selbstbild hat, der fühlt sich auch in Krisensituationen im eigenen Körper weniger fremd.“ Ach was.