Der Journalist und Autor Jens Bisky
Foto: Bernhardt Link

BerlinIn seinem als Stadtbiografie angelegten „Berlin“-Buch schreibt der Journalist und Autor Jens Bisky nicht zuletzt auch darüber, dass es in der Spreemetropole nie wichtig war, woher einer kam. Egal ob aus Sachsen, Brandenburg oder Schlesien – Berliner konnte man immer werden. Das habe, so Bisky, mit der Geschichte der Hohenzollern zu tun, die früh eine aktive Zuzugspolitik betrieben. Den Rest besorgte die Anziehungskraft der großen Stadt, die der einstige Feuilleton-Redakteur der Berliner Zeitung stets auf kenntnisreiche wie unterhaltsame Weise zur Geltung gebracht hat.

Kann es denn wahr sein, dass solch ein Berlin-Kenner und -Liebhaber seiner Stadt den Rücken kehrt? Vom 1. Januar an wird Jens Bisky Chef der Zeitschrift Mittelweg, die vom Hamburger Institut für Sozialforschung herausgegeben wird und ein wichtiges Organ der von Jan Philipp Reemtsma ins Leben gerufenen Einrichtung ist, die insbesondere im Bereich der Gewaltforschung große Verdienste erworben hat. Bisky, bislang noch Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in Berlin, wechselt nicht nur das Medium, sondern bezieht demnächst ein Büro im gediegenen Eimsbüttel, fußläufig zur Hamburger Außenalster.

Für Zeitungsleser ist es nur schwer vollstellbar, künftig auf die klugen kulturpolitischen Analysen verzichten zu müssen. Dabei hat der 1966 in Leipzig geborene Sohn des Politikers Lothar Bisky und ältere Bruder des Malers Norbert Bisky aus seinen über die journalistische Aktualität hinausweisenden Interessen nie einen Hehl gemacht. Nach einer kurzen Stippvisite beim Jugendsender DT 64 zur Wendezeit studierte Bisky Kulturwissenschaft und Germanistik und beschäftigte sich anschließend unter anderem mit preußischer Architekturästhetik und veröffentlichte eine Biografie über den Dichter Heinrich von Kleist. Sein Wissensdrang und die Lust, Bücher zu schreiben, waren für ihn immer auch eine Gelegenheit, die Anforderungen des Tagesjournalismus zu unterbrechen.

Der Ruf aus Hamburg scheint nun die Gelegenheit gewesen zu sein, seinen Neigungen einen Ruck zu geben und noch einmal etwas Neues zu probieren. Für die Zeitschrift Mittelweg ist Bisky ein großer Gewinn, denn auch die Wissenschaft ist seit jeher darauf angewiesen, ihre Erkenntnisse in gut lesbarer Form zu präsentieren. Und Berlin? Da einer nicht jederzeit Hamburger werden kann, dürfte Jens Bisky die Existenz eines umtriebigen Pendlers bevorstehen.