Wasserpavillon des Wahlberliners Jeppe Hein vor der Bundeskunsthalle Bonn.
Foto: Berliner Zeitung/Ingeborg Ruthe

BonnDer demokratische Wasserpavillon des dänischen Bildhauers Jeppe Hein vor der Bonner Bundeskunsthalle ist für uns Berliner ein Grund, in diesem tropischen Sommer einmal neidisch auf die alte Bundeshauptstadt zu sein.

Stellen wir uns vor, diese kreisrunde Kunsterfrischung des Dänen und Wahlberliners Jeppe Hein würde vor dem baumlosen Berliner Kulturforum stehen, auf dessen Steinflächen man derzeit in der Sonnenglut Spiegeleier braten könnte. Schöne Vision. Aber wer käme im repräsentativ und symbolträchtig gesinnten Berlin schon auf die Idee – und beschaffte die Finanzen – für dieses schwellenangstlose Kunststück aus Metall, Holzplanken und sogar mit eigenem, ökologischen Wasserkreislauf?

Und so steht der ebenso spaßige wie schöne Wasserpavillon eben vor der Bundeskunsthalle und dem Bonner Kunstmuseum. Das Stück Museumsmeile ist ein Spielplatz, auf den Bänken unter den Kugelbäumen liegen Handtücher, keinen stört der Kinderlärm. Die Skulptur samt Wasserbetrieb wird ermöglicht vom Bund, und es wird seit Wochen fröhlich genutzt, von Kindern und Familien, von Kunstfans aus nah und fern, die dann erfrischt und mit lachenden Mienen in die Ausstellungssäle gehen, nicht, bevor sie ihre körperlichen Reflexe gründlich getestet hätten: Aufpassen, sonst wirst du nass!

Feuchte Grenzen

Immer neue Wände aus Wasser entstehen und fallen in sich zusammen. Wie zufällig, aber in regelmäßigen Abständen bilden sich durch die Fontänen abgetrennte Räume und machen die Arbeit zu einer faszinierenden Skulptur, die lediglich aus Wasser besteht. Die nassen Wände bewegen sich in einem festgelegten Rhythmus um die Erfrischung Suchenden herum. So bilden sich innerhalb der großen Form weitere kleine Schutzräume, deren feuchte Grenzen von den Kindern natürlich mit größtem Vergnügen ignoriert werden.

Nur Skeptiker betrachten das Ganze von außen. Die anderen gehen hinein und werden Teil des Werkes – allein diese Wahlmöglichkeit erweitert den Skulpturenbegriff. „Circular Appearing Rooms“ nennt Jeppe Hein seine Arbeit und er sagt, wie wichtig es gerade jetzt ist, in Corona-Zeiten, wo Kinder und ihre Eltern monatelang wegen der geschlossenen Schulen und Kitas zu Hause sitzen mussten, mit Kunst zu inspirieren und ihnen einen Ort zum Spielen und Entspannen zu geben.

Zwischen dem Steigen und Fallen der Wasserwände begegnen sich Menschen, Kinder haben Spaß. Jeder kann sein inneres Kind ausleben und eine Pause vom Alltag machen. Jeppe Hein, geboren 1974 in Kopenhagen, avancierte seit den 2000er-Jahren weltweit und in atemberaubendem Tempo zu einem der erfolgreichsten Künstler seiner Generation. Dann brach er zusammen: Diagnose Burnout. Eine buddhistische Nonne half ihm zurück in den Alltag. Seine Kunst hat sich seither verändert, sie ist leichter, spielerischer geworden und von Thesenschwere befreit. „Wir sind doch alle Spielkinder“, meint Hein und sieht seine Kunst als „Werkzeug“ für ein ungezwungeneres Leben. Dieser Ansatz würde doch gut zum hektischen Berlin und seinen teils trostlosen Stadtplätzen passen.