So lieber nicht, sondern immer schön die Tröpfchen abfangen.
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BerlinVor ein paar Tagen ging ich in den Supermarkt und es gab kein Toilettenpapier mehr. Jedenfalls nicht das kuschelige dreilagige, das ich für meinen mittelalten Po gerne kaufe, um seine gereizte Haut zu verwöhnen. Es gab auch kaum noch Nudeln und Doseneintöpfe und gar keine Seife. Erst dachte ich: Sieh an, die DDR ist wieder da!

Aber es waren dann nur die „Corona-Hamster“, die gerade „am Durchdrehen“ sind, wie mir eine genervte Edeka-Verkäuferin erklärte. Sehr ungerecht finde ich, dass ausgerechnet der Hamster, ein tadelloses Tier, das nie Nudeln, Toilettenpapier oder Doseneintöpfe einzukaufen pflegt, seinen guten Namen hergeben muss für das panische Verhalten einiger Menschen.  

Was mich überraschte: Bier und Schnaps waren nicht ausverkauft. Das erste, was ich mir kaufen würde, bevor ich in Corona-Panik einsam im Keller herumsäße, wären doch Alkohol und Zigaretten. Was haben wir denn aus den letzten Weltkriegen gelernt? Tauschware ist Gold wert. Dazu würde ich edle Schokolade kaufen und handgebeizten Lachs aus Norwegen und ein Töpfchen Austern aus der Normandie und andere schöne Dinge, die ich nun zum letzten Mal genösse, bevor die Welt untergeht. Aber was machen die Menschen? Mampfen am Ende aller Tage lieber den „Westfälischen Graupentopf“ oder ein Glas „Saftbockwurst in Eigenhaut“.

Später, auf dem Weg nach Hause, kam mir der Gedanke, dass das Coronavirus eine teuflisch-geniale Idee der Lebensmittelindustrie ist, um die Lager, voll mit alten Backerbsen und Eiernudeln und „Cevapcici mit Balkangemüse“ endlich mal leer zu räumen.   Viel gelesen habe ich auch über die korrekte Art des Hustens und des Händeschüttelns. Richtig ist es, in die Armbeuge zu husten. Wer absolut sichergehen möchte, virusmäßig, sollte aber in die Kniekehle husten. Oder: die Fresse halten.

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Händeschütteln sollte man gar nicht mehr. Stattdessen wird der „Gruß auf Distanz“ empfohlen. Oder: eine „leichte Verbeugung“. Natürlich kann man beides auch kombinieren. Treffe ich einen Bekannten auf der Straße, wechsle ich die Straßenseite und winke ihm von dort aus eifrig verbeugend zu. So als würde ich, komplett vertrottelt, die Queen begrüßen.

Der amerikanische Basketballverband hat seinen Spielern geraten, auf das beliebte „High five“ zu verzichten. Als hygienische Alternative wird von Medizinern der „Fist Bump“ empfohlen – das „rituelle Aneinanderstoßen der Fäuste“. Unbedenklich scheint auch das „Arscheln“ zu sein – das rituelle Aneinanderreiben der Arschbacken oder der Geschlechtsteile wie man es zuweilen im Tierreich bewundern kann. Zur Begrüßung im Büro den eigenen Hintern herzlich am Hintern des Chefs reiben – probieren Sie es ruhig mal aus!

Sehr klug verhalten sich mal wieder die Italiener. In Mailand ist der Dom geöffnet, allerdings sollen die Besucher einen Mindestabstand von einem Meter zueinander einhalten. Wäre ich Mailander, würde ich vor dem Dom einen Stand aufbauen, 1-Meter-Zollstöcke verkaufen und reich werden.   Die schönste Meldung aber kommt aus Neuseeland: Die Maori wollen auf ihren traditionellen Nasengruß verzichten. Stattdessen? Winken und verbeugen.  

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Die Buchmesse in Leipzig wurde abgesagt. Aber ehrlich gesagt: Buchmessen sind, anders als Erotikmessen, furchtbar langweilig. Genauso wie Tourismusmessen, wo Eingeborene aus Usbekistan in Messehalle 7 einen volkstümlichen Tanz aufführen und man fermentierten Joghurt aus Yak-Milch probieren kann.

Bedenklich erscheint mir jedoch Folgendes: Der neue James Bond-Film kommt wegen Corona nicht in die Kinos. Was für ein entmutigendes Zeichen an die Welt! Wenn jetzt auch James Bond verängstigt im Keller sitzt und Büchsen-Ravioli frisst – dann gnade uns Gott.