Johannes Öhmann, schwedischer Balletttänzer und Intendant. 
Foto: Imago Images/Tagesspiegel

Johannes Öhman, Noch-Co-Intendant des Staatsballetts, hat es offenbar wirklich eilig, sich aus Berlin zu verabschieden. Die gemeinsame Wortmeldung von ihm und Sasha Waltz, die das Staatsballett am Mittwochnachmittag veröffentlichte und die den Rückzug nicht erklärte, sondern die aktuelle Arbeit im Gegenteil als „historisch wichtige Aufgabe“ feierte, war bereits mit den Ortsangaben „Berlin/Stockholm“ unterzeichnet.

Und tatsächlich veröffentlichte das Stockholmer Dansens Hus seine eigene Information darüber, dass der 52-Jährige Balletttänzer und Tanzmanager zum neuen Theaterleiter und künstlerischen Leiter berufen wurde, am Mittwoch nicht nur fünf Minuten eher als die Berliner Kulturverwaltung (nämlich um 10.30 Uhr), sondern wies darin auch auf einen Zweistufenplan der ohnehin schon raschen Übernahme hin: Ab 1. Januar 2021 werde Öhman die „volle Leitung“ des Theaters übernehmen, aber bereits ab 1. März 2020 als künstlerischer Leiter fungieren und ab Herbst 2020 die Programmverantwortung haben.

Die Nachricht auf der Website des Dansens Hus wurde in korrekter Erwartung des internationalen Interesses auch ins Englische und Deutsche übersetzt – ins Englische originalgetreu, aber in der deutschen Fassung fehlt am Mittwochabend (denkbar, dass dies korrigiert wird) interessanterweise der Hinweis auf die Funktionen, die Öhman bereits in knapp sechs Wochen an Stockholm binden wird. Aus Schonung oder Scham? Falls hier wirklich ein geordneter „Ruf an seine Heimatstadt Stockholm“ erfolgt sein sollte, wie es das Staatsballett nahelegt, würde man die Schweden von einer ganz neuen, überaus spontanen Seite kennenlernen. Wahrscheinlicher ist, dass der Abgang schon von längerer Hand vorbereitet wurde. Oder es handelt sich um eine Flucht.