Hier fand der Foto-Künstler  Ruhe und Inspiration: John-Heartfield-Haus Waldsieversdorf
Foto:  Freundeskreis John Heartfield - Waldsieversdorf e.V.

Die John-Heartfield-Ausstellung in der Akademie der Künste ist gerade zu Ende gegangen. Aber das Waldhäuschen des Künstlers in Waldsieversdorf ist immer da. Ohne die Hilfe von Brecht, der im benachbarten Buckow in einer Villa am See residierte, wäre es dem misstrauisch beäugten West-Emigranten, der 1950 aus London in die DDR kam, wohl kaum gelungen, es zu errichten. Diese Woche feiert es das zehnjährige Jubiläum seiner Sanierung. Der freundliche Herr vom Freundeskreis erzählte am Wochenende, dass das keineswegs selbstverständlich und der Weg dahin steinig gewesen sei. Dass es erst Rückforderungsansprüche gab, und nachdem diese nach Jahren zurückgewiesen worden waren, die Gemeinde 2008 vor der Frage stand, das heruntergekommene Anwesen des Künstlers zu erwerben oder die Kita zu sanieren. Kunstpause.

Die Lösung, die der Bürgermeister ersann, darf man ruhig salomonisch nennen. Er kaufte das Haus und sanierte die Kita mit der unentgeltlichen Hilfe der Waldsieversdorfer Handwerker, die schließlich alle ihre Kinder oder Enkel dort hatten. Die Mittel für die Sanierung des Waldhäuschens kamen von der EU.

Nun kann man in dem so behaglich wie bescheiden eingerichteten Waldhäuschen am Großen Däbersee mit den leuchtend blauen Fensterläden einen anderen John Heartfield kennenlernen, als er einem in seinen radikalen politischen Werken entgegentritt, von denen einige in der einstigen Garage hängen. Er hat hier einen Waldgarten angelegt, Zeitzeugen berichten, dass er „unbefestigte Wege“ liebte. Ein Foto zeigt ihn beim Pilzeputzen mit seinem Enkel Bob.

Die aus Deutschland stammende chinesische Journalistin Eva Siao, die Anfang der 1960er-Jahre einen Jahreswechsel bei Heartfield in Waldsieversdorf verbrachte, schreibt: „Wer hätte gedacht, dass der große sozialkritische Künstler und Urheber bissiger Fotomontagen sich in einer solchen Idylle heimisch fühlte und untröstlich war, als er bemerkte, dass ihm ein Kaktus eingefroren war!“