John Travolta als lakonischer Mafia-Boss

Wenn ein Film mit einer Beerdigung beginnt und mit einem dazu passenden Zitat des französischen Großschriftstellers Marcel Proust, dann setzt er unzweifelhaft Maßstäbe, denen die Inszenierung erst einmal gerecht werden muss. „Criminal Activities“ führt zunächst in eine Friedhofskapelle, wo eines Toten gedacht wird, der in der Blüte seines Lebens von einem Linienbus erfasst wurde. War es ein Unfall oder Suizid? Für Zach ist jedenfalls eines klar: Immer schön in der Gegenwart leben!

Seine unglaublich blasierte, wenn nicht doofe Fresse macht dem Kinozuschauer aber sogleich deutlich, dass die Sache mit Proust nur dazu da ist, um Fallhöhe zu markieren: die zwischen gesetztem Ziel respektive Anspruch und Realität. So blöd-blasiert kann nur der Schauspieler Michael Pitts dreinschauen – wie eine geborene Pestbeule von einem Menschen, der sich indes selbst für ein Gottesgeschenk hält.

Brillante Idee

Und so folgt Zach dank seines ungebrochenen Weltbilds bald gemeinsam mit ein paar alten Schulfreunden, die er beim Begräbnis wiedertraf, bedenkenlos einer scheinbar brillanten Idee: dem Insidertipp eines Börsianers. Da Zach aber blank ist, leiht er sich das Geld für den Einsatz von seinem Kumpel Noah. Dummerweise fliegt der Tipp-Geber auf, der Deal platzt, und alle vier sitzen ohne Geld, aber mit 200000 US-Dollar Schulden da – wobei Zach die Summe, wie sich nun herausstellt, eigentlich einem Mafia-Boss schuldet, von dem wiederum Noah sie beschaffte.

Auftritt John Travolta: Smart und schlank gibt er einen Oberkriminellen, der gut gelaunt am Kaktussaft nippt, weil er fit sein möchte für einen Marathon-Lauf. Man sieht ihn zunächst nur von hinten – gefilmt in der Art großen Unheils – , und beim Training begleiten ihn zwei Leibwächter. Travoltas Eddie nimmt hundert Prozent Zinsen; gut gelaunt fordert er, dass die dummen Freunde die 400000 Dollar Schulden bei ihm abarbeiten, indem sie wiederum einen schwarzen Gang-Chef entführen und 48 Stunden festhalten. Wenn dies zu seiner Zufriedenheit erledigt sei, so Eddie, seien auch die Schulden gestrichen, und die Idioten von Zockern lassen sich darauf ein.

Regiedebüt

Man muss hier nicht lange ausführen, dass diese Gegenleistung eine Kettenreaktion auslöst, bei der die Kriminalität an sich als komplexes Gefüge erscheint – mit vielen Subsystemen. „Criminal Activities“ ist das Regiedebüt des Schauspielers Jackie Earle Haley und einer jener Filme, die noch fast 20 Jahre später im Fahrwasser des Erfolgs von Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ (1994) und dem diesbezüglichen Aufschwung von Pulp schwimmen: eine kleine, böse und bei aller gebotenen Schematik der Figuren letztlich doch verblüffende schwarze Krimikomödie. Dass dieser Film im weiten Feld der Tarantino-Epigonen einer der besseren ist, verdankt sich vor allem den Schauspielern, allen voran eben Michael Pitts und John Travolta, der seinerzeit mit „Pulp Fiction“ sein grandioses Comeback feierte.

Die Handlung folgt, ebenfalls genretypisch, dem Prinzip der flotten Eskalation; es kommt also alles immer noch übler, und bald verlieren die als Kidnapper nur mäßig begabten Beteiligten die Übersicht auch darüber, worum es hier jenseits des Geldes eigentlich geht. Denn Geld ist nur eine Metapher für all jene, die genug davon haben. Das relativ kleine krumme Ding vom Beginn wächst sich allmählich zum Riesenschlamassel aus, in das immer mehr Leute verwickelt werden.

Auf dem Weg dahin kann sich der entsprechend aufgelegte Zuschauer an teils wunderbar lakonischen bis absurden Dialogen erfreuen: So ist etwa die Geisel der vier Freunde extrem sauer darüber, dass er erstens direkt vom stillen Örtchen entführt wurde und dass die Kidnapper zweitens seine Lieblingswaffe durch einen Kratzer entstellt haben.

Criminal Activities USA 2015. Regie: Jackie Earle Haley, Drehbuch: Robert Lowell, Kamera: Seamus Tierney, Darsteller: Michael Pitts, Dan Stevens, John Travolta, Christopher Abbott, Jackie Earle Haley, Rob Brown u.a.; 94 Minuten, Farbe. FSK ab 16.