Johnny Depp beobachtet die Journalisten, die ihn beobachten. 
Foto: dpa/Christoph Soeder

BerlinDie Fans kreischen, als Johnny Depp sich neben dem Hyatt-Hotel am Potsdamer Platz kurz auf der Straße zeigt. Drinnen rangeln die professionellen Fotografen um die Aufmerksamkeit des 56 Jahre alten Schauspielers, der mit Hut und Fransenhalstuch angetan, langsam zu seinem Platz im Pressezentrum geht. 

Er setzt sich neben die Schauspielerin Minami, die im Film „Minamata“ die Frau an seiner Seite ist. Sie bekommt Applaus, als sie sagt: „Ich bin etwas verwirrt, dein Bart ist ab.“

Sehen Sie hier die Berlinale-Pressekonferenzen im Livestream >>

Johnny Depp verkörpert den US-amerikanischen Fotografen W. Eugene Smith mit grauem Vollbart. Zum Zeitpunkt der Handlung ist der Mann infolge seiner Erlebnisse an Kriegsschauplätzen und durch Alkoholmissbrauch bereits körperlich und seelisch schwer angeschlagen.

Der Film erzählt von seiner letzten großen Arbeit: Anfang der 70er-Jahre dokumentierte Smith in der japanischen Stadt Minamata die Verbrechen des Chemiekonzerns Chisso. Quecksilberhaltiges Abwasser vergiftete den anliegenden See, von dem die Menschen dort lebten.

Johnny Depp war auch Ko-Produzent bei „Minamata“

Tausende erkranken oder brachten – und bringen bis heute! – schwerstbeschädigte Kinder zur Welt. Durch Johnny Depps Spiel wird man Zeuge, wie ein Mensch, der schon viel Schreckliches gesehen hat, immer noch offen ist für das Leid des Einzelnen. „Das W im Namen W. Eugene Smith steht für wunderbar“, sagt der Schauspieler bei der Pressekonferenz – er verneigt sich vor der Leistung des Mannes, den er darstellt.

Lesen Sie auch: Filmfestival: Berlinale-Eröffnungsgala: Aufstehen gegen den Terror >>

Depp hat den Film auch ko-produziert. Er sei ihm ein dringendes Anliegen gewesen, diese Geschichte in die Welt zu bringen: „Solche Filme werden nicht alle Tage gemacht. Er erzählt von der Kraft der Bilder, von der Macht der Kunst, Menschen die Augen zu öffnen. Wir können selbst das Kino dafür nutzen.“

So politisch ist die 70. Berlinale, die „Minamata“ in der Special Gala zeigt. Fotos im Abspann deuten auf weitere frühere und aktuelle Beispiele von Umweltzerstörung durch Industrie rund um die Welt.  

Johnny Depp wird bei der Pressekonferenz nicht angesprochen auf „Edward mit den Scherenhänden“, als der er 1990 bekannt, nicht auf die Piraten-Rolle, mit der er seit 2003 berühmt wurde, sondern auf seine Regiearbeit „The Brave“ von 1997. Daraus habe er gelernt, sagt der Schauspieler, vielleicht würde er irgendwann wieder Regie führen, aber nicht mit sich in der Hauptrolle.

„Ich mag es nicht, mich immerzu anzuschauen.“ Da lobt der „Minamata“-Regisseur Andrew Levitas seinen Blick für den besonderen Moment. „Wir hatten immer einen Film in seiner Kamera, als er Eugene spielte. Johnny Depps Bilder sind sehr gut.“