Joaquin Phoenix ist der Joker.
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BerlinKaum ein anderer Film wurde in den letzten Wochen und Monaten so sehnsüchtig erwartet wie der Joker. Bereits vor dem deutschen Start am vergangenen Donnerstag überschlugen sich die Meldungen, dass in den USA, wo das Werk mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle schon länger zu sehen ist, die Menschen reihenweise aus den Kinos liefen, weil sie den Film nicht mehr aushielten.

Trailer zu "Joker"

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Und ja, der Joker ist tatsächlich harter Tobak, auch wegen einiger recht brutaler Szenen. Vor allem aber setzt der Film ein Kopfkino in Gang, das seinesgleichen sucht. Und je länger man im Kinosessel sitzt, umso stärker drängt sich der Gedanke auf: Das, was da auf der Leinwand passiert, ist eine (wenn auch sehr überspitzte und dramatisierte) Zusammenfassung der Nachrichten der letzten Tage, Wochen und Monate aus unserer Stadt.

Unfähige Stadtverwaltung

Die Ausgangslage für die Geburt des Jokers ist die fiktive Stadt Stadt Gotham City, die zusehends in vom Menschen produzierten Müll erstickt. Die dafür zuständige Stadtverwaltung erweist sich zum einen als völlig handlungsunfähig und kapituliert vor den Müllbergen. Zum anderen nimmt die regierende, arrogant-abgehobene Elite (darunter bezeichnenderweise auch Batmans extrem unsympathischer Vater als Bürgermeister-Kandidat) die Sorgen, Ängste und Nöte der Bürger nicht nur nicht ernst.

Sondern zieht sie in einer bedrückend realistisch wirkenden Szene offensiv ins Lächerliche und bezeichnet die zunächst verzweifelten und erst später wütenden Bürger als Clowns. Um sie anschließend gönnerhaft zu belehren, man wisse, was gut für sie sei. Auch wenn die Bürger schlichtweg zu doof seien, das zu verstehen.

Ein Verlierer, der durchdreht

Und in diese aufgeheizte Stimmung gerät schließlich ein erfolgloser, weil unlustiger Comedian, der vor allem mit sich selber zu tun hat. Als Kind misshandelt, als junger Erwachsener zeitweilig in der Psychiatrie und nun in der Obhut einer staatlichen Sozialarbeiterin - deren Stelle dann aber aufgrund von Sparmaßnahmen ersatzlos gestrichen wird.

Der traurige Clown, der Patient mit starken psychischen Problemen wird von jetzt auf gleich sich selbst überlassen. Keine Gespräche mehr, keine Medikamente mehr, keine Hilfe mehr. Und landet in einer implodierenden Gesellschaft, in der jeder glaubt, immer Recht zu haben, niemand eine andere als die eigene Meinung auch nur ansatzweise akzeptiert und die Bevölkerung geradezu nach Hysterie giert.

Die Gesellschaft macht den Joker erst möglich

Es ist nicht der Joker, der die Gesellschaft böse werden lässt - es ist die Gesellschaft, die den Joker in dieser Form überhaupt erst möglich macht. Und den tragischen Komiker, der zunächst nur in Notwehr tötet, zum Symbol des Widerstands und der brutalen Anarchie, die in Gotham um sich greift, erhebt. Ob er will oder nicht.

Und mag der Joker am Ende noch so irre, psychopathisch und brutal sein - immer wieder ertappt man sich bei dem Gedanken: Er kann nichts dafür. Und eigentlich hat er auch irgendwie Recht.