Die TV-Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf (l.) und Joko Winterscheidt.
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BerlinVielleicht ist das die Frage dieser Medienwoche: Kann man Unterhaltungssendungen fälschen? Bisher kannte man den Begriff Fake im Zusammenhang mit Journalismus. Aber TV-Unterhaltung, die per se Fiktion ist – wie lässt die sich fälschen?

Die Redaktion von „Strg F“, ein Ableger des NDR-Politmagazins „Panorama“, der für das digitale ARD-Angebot Funk produziert, glaubt, dass dies möglich ist: Sie bezichtigte am Dienstag die Entertainer Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt, in ihren Formaten „Duell um die Welt“ und „Late Night Berlin“ Beiträge gefälscht zu haben. Ein Thema, dass die junge Zielgruppe von „Strg F“ bewegt: Das Stück kommt bereits auf über eine halbe Million Aufrufe.

Wie der Zufall es will, wurden Joko und Klaas am selben Tag, an dem man sie der Fälschung bezichtigte, von der Nachricht überrascht, dass sie mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet werden. Den bekommen sie für das Format „Joko & Klaas live – 15 Minuten“, in dem sie unter anderem Sendezeit für Aktivisten gegen Rechtsextremismus zur Verfügung stellten.

Wir lernen: Joko und Klaas sind nicht nur Entertainer, sie haben auch ein politisches, ja aufklärerisches Anliegen. Das wurde bereits 2017 deutlich, als es ihnen gelang die Organisatoren der Goldenen Kamera dazu zu bewegen, einen deutschen Statisten auszuzeichnen, den diese für den Hollywood-Star Ryan Gosling hielten. Damit wurde auch dem Letzten klar: Sogenannte „Medienpreise“ erhält grundsätzlich jeder halbwegs hochkarätige Promi, der gerade greifbar ist.

Rollenwechsel, der manchen überfordert

Wenn die Aufklärer und Politaktivisten Joko und Klaas mit heiligem Ernst sich in ihren Sendungen für die Authentizität des allergrößten Blödsinns verbürgen, vollziehen sie einen Rollenwechsel, der manchen überfordert. Anders ist nicht zu erklären, weshalb die noch jungen Kollegen von „Strg F“ glaubten, beweisen zu müssen, dass der Beitrag ein Fake war, in dem die Entertainer den Schauspieler Edin Hasanovic ganz allein – der Lenker seines Gefährts war zuvor abgesprungen – auf 2000 Meter in einem Heißluftballon aufsteigen ließen. Dachten sie wirklich, jemand könne glauben, Joko und Klaas hätten Hasanovic sehenden Auges in Lebensgefahr gebracht? Oder dass in einer anderen Sendung die Kleindarstellerin Sophia Thomalla sich ohne ihre Einwilligung, gesichert nur durch ein Bungee-Seil, aus einem fliegenden Hubschrauber schubsen lässt? Ernsthaft?

Klaas ging einst – wie übrigens auch Jan Böhmermann – beim Godfather des deutschen TV-Schabernacks Harald Schmidt als dessen Sidekick in die Lehre. Schmidt hat sich nie politisch engagiert. Das erwartete sein Publikum auch nicht von ihm. Dies ist sowohl bei Böhmermann als auch bei Joko und Klaas anders. Ihre vorwiegend noch jungen Fans sind vor allem vom Internet sozialisiert worden, also in höchst unübersichtlichen virtuellen Welten, in denen an jeder Ecke ein Troll lauert. Sie wollen folglich wissen, wo genau ihre Idole, auch politisch, stehen, selbst wenn die lediglich Großmeister des gehobenen Unsinns sind.

Es war auch schon einmal einfacher, TV-Entertainer zu sein.