Die Grobdaten des Konzertabends am Dienstag sind schnell erzählt. Bon Jovi begannen pünktlich um 19.30 Uhr und spielten mitsamt der zwei Zugaben beinahe drei Stunden. Die Stimmung in der ausverkauften Waldbühne war bestens, ungezählte La-Ola-Wellen brandeten durch das Freilichtrund. Gegeben wurden fast alle großen Hits der 1983 gegründeten Band, das Spektrum reichte von „You Give Love a Bad Name“ über „It’s My Life“ und „Keep the Faith“ bis „Livin’ on a Prayer“. Von den insgesamt 27 Songs entstammten fünf der ersten kommerziell erfolgreichen Platte „Slippery When Wet“ (1986), fünf weitere Lieder stellten das neue Album „What About Now“ vor. Philip Theofilis Xenidis ersetzt vorläufig den Leadgitarristen Richie Sambora, ist aber leider kein vollwertiger Ersatz.

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Die Mannen um den so charismatischen wie sympathischen Sänger Jon Bon Jovi gingen auf Nummer sicher und lieferten die seit 1986 bewährte Mischung aus eingängigen Melodien und harten Gitarrenriffs, also jenen mitgrölgeeigneten, ohrwurmhaltigen Mainstream, der auch „What About Now“ wieder beseelt, allem voran die aktuelle Single „Because We Can“. Womit wir bei den Feindaten des Dienstagabends wären: Bon Jovi traten bei schönstem Berliner Konzertwetter auf, die Sonne schien noch mit einiger Kraft, ein lauwarmes Lüftchen verschaffte da nur wenig Kühlung, dafür floss das Bier in Strömen und wagten sich auch ältere Männer in nennenswerter Zahl sandalen- und kurzhosenbekleidet unters Volk. Selten gab es so viele bleiche Unterschenkel auf einmal.

Superlativ auf zwei Beinen

Unbedingt erwähnenswert ist noch der Auftritt von Christina Stürmer. Die Österreicherin mühte sich redlich und fand sogar etwas Kontakt zum Publikum, das ja nun wahrlich nicht wegen ihr gekommen war. Ach, wie undankbar ist es doch, als mittelprächtige Unterhalterin die Vorgruppe für so einen Superact abgeben zu müssen. Irgendwie schien Stürmer auch Probleme zu haben, sich in ihre Rolle zu finden, tat sich zum Beispiel schwer, den Namen Bon Jovi überhaupt in den Mund zu nehmen. Stattdessen verwies sie trotzig auf die eigene 10-jährige Musikgeschichte. „Leute“, rief sie den Berlinern zu, „ihr habt heute die richtige Entscheidung getroffen“, und stellte dann klar, dass man ja wohl auch „etwas“ wegen ihr gekommen sei. Christina, Du bist eine unbescheidene und undankbare Nuss. Sowas Doofes.

Danach bedurfte es einer halbstündigen Pause zur Erholung. Zudem musste das Publikum musikalisch neu kalibriert werden, aus den Lautsprechern quoll jetzt reichlich AC/DC, „Highway to Hell“, „Hells Bells“ und solche Sachen. Und dann war man bereit für IHN, für Jon Bon Jovi. Oh mein Gott, da war er wirklich, dieser blonde, kuschelige, verwuschelte, formvollendete, dauerlächelnde und doch so bodenständige, naturbelassene, grundehrliche Wonneproppen. Zu schön um wahr sein, ein Superlativ auf zwei Beinen. Jedenfalls nach Meinung ausnahmslos aller Frauen in der Waldbühne und – mit leichten Abstrichen – in dieser Redaktion. Allein dieses Lächeln: Das Weiß seiner makellosen Zähne blendet auch ohne Vergrößerung auf der Videoleinwand noch in der letzten Reihe. Was für ein Kerl. Schmacht…

Vorturner der guten Laune

Und was für ein Entertainer. Der Mann dirigiert die Massen in der Waldbühne vom ersten Song an, „That’s What the Water Made Me“, und lässt dann bis „Never Say Goodbye“ und „Always“ nicht mehr locker. Für ihn tun sie alles, sogar den letzten Schwachsinn: Armeschwenken, Heiserschreien oder Schockheulen. Jon Bon Jovi ist der Vorturner der guten Laune, so perfekt und so sauber wie sonst nur die rasierten Achseln unter seinen wohlproportionierten Schultern. Aber Schluss jetzt mit dem Gesülze: Wir müssen noch einmal kurz auf die Causa Richie Sambora kommen. Bekanntlich verbindet den Gitarristen und den Sänger (ja, der fluffige Herr Bon Jovi kann auch anders!) eine jahrelange Feindschaft. Nicht das erste Mal geht man getrennter Wege, auch wenn sich Sambora auf seiner Website immer noch als Mitglied der Tour-Band bezeichnet.

Nun, er nimmt seit April nicht mehr an der Tournee teil. Ob das etwas mit seinem alkoholbedingt unzuverlässigen Gitarrenspiel zu tun hat? Sambora dazu: „Jon soll aufhören, so einen Müll zu reden!“ Ohlala, Ehestreit im Hause Bon Jovi.