Berlin - Im Konzerthaus begann am Donnerstag nicht einfach die neue Saison 21/22. Das Haus wollte in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiern und konnte das nur in bruchstückhafter Weise: hier eine CD, dort ein historischer Comic, dann eine eher misslungene Produktion der berühmtesten Uraufführung in diesem Raum, des „Freischütz“. Wenn jetzt eine gewisse Hoffnung besteht, den Spielbetrieb plangemäß einzuhalten und geplante Jubiläumsaktionen nachzuholen, dann ist das schon einmal eine eigene Intrada wert: Die Blechbläser des Konzerthausorchesters spielten ein kurzes Stück des 1978 gestorbenen Willem van Otterloo – ein saftiges, leicht perverses Stück, das in fünf Minuten aus dräuenden Harmonien über stetigen Paukenschlägen zu einem überzeugend monumentalen Abschluss findet. Man hört es schlechten Gewissens mit Vergnügen, es spekuliert auf filmmusikalische Überwältigung, ist aber ziemlich gut gemacht – und auch hervorragend gespielt, blitzsauber und souverän auf den Höhepunkt gesteigert, ganz ohne Dirigenten.

Wenig Lobendes dagegen wäre zur Uraufführung des Jubiläumsstücks „Xylo“ von Samir Odeh-Tamimi zu sagen. Es beginnt mit Holzgeklapper, die Musikerinnen und Musiker bedienen einfache Klangerzeuger wie Holzstäbe, Blechdosen oder Kuhglocken und klopfen gelegentlich auch an ihre erlernten Instrumente, es rasselt, scheppert, dröhnt. In der Mitte schrauben sich mikrotonale Skalen und Glissandi auf und ab, das Blech schlägt hier und da mal einen sichernden Akkord ein. Das Ganze erinnert entfernt an die klanglichen Gewaltmärsche des frühen Penderecki – aber was vor 60 Jahren noch faszinierte, weil die Klänge noch neu erfunden werden mussten, zieht sich heute ziemlich in die Länge: Odeh-Tamimi scheint eher einen Musterkatalog von „modernen“ Spieltechniken abzuarbeiten.

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