Hetty Berg, die neue Leiterin des Jüdischen Museums Berlin. 
Foto:  Jüdisches Museum Berlin/Yves Sucksdorff

BerlinDer Stiftungsrat berief am Dienstagabend einstimmig die 1961 geborene Berg. Sie werde die Leitung am 1. April 2020 übernehmen. Aktuell ist sie die Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam. 

"Mit Hetty Berg haben wir eine international erfahrene Museumsexpertin gewonnen", sagte  Monika Grütters (CDU).  Als Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam habe sie ihre Führungsstärke in komplexen Organisationen erfolgreich unter Beweis gestellt. Ihre Berufung werde dem Jüdischen Museum Berlin nach innen wie außen neue Impulse verleihen.

Die in Den Haag geborene Berg studierte Theaterwissenschaften in Amsterdam und Management in Utrecht. Von 1989 an war die Niederländerin Kuratorin und Kulturhistorikerin am Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam. Seit 2002 arbeitete Berg, selbst Mitglied der Jüdischen Gemeinde, als Museumsmanagerin und Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam. Dazu gehören neben dem Jüdischen Historischen Museum auch das Kindermuseum, die Portugiesische Synagoge, das Nationale Holocaust-Museum und die Gedenkstätte Hollandsche Schouwburg. Berg lebt nach den Angaben zusammen mit dem französischen Fotografen Frédéric Brenner, dessen Ausstellung „This Place“ aktuell im Jüdischen Museum gezeigt wird.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte die Entscheidung. „Mit Hetty Berg haben wir eine Person für die Leitung des Jüdischen Museums Berlin gefunden, die sowohl eine hohe Qualifikation als Museumsmanagerin als auch als Kuratorin von Ausstellungen mitbringt“, sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, in einer Mitteilung. Schuster sitzt für den Zentralrat im Stiftungsrat und war Mitglied der Findungskommission. Der Zentralrat gehe davon aus, dass Berg die Tradition anspruchsvoller Ausstellungen im Museum fortsetzen und „zugleich Empathie für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und Israel aufbringen“ werde.

Der bisherige Leiter Peter Schäfer war nach Kontroversen zurückgetreten. Auslöser war ein Tweet des Museums mit einer Leseempfehlung zur israelfeindlichen Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen). Darin hatten jüdische und israelische Wissenschaftler kritisiert, dass der Bundestag BDS als antisemitisch eingestuft hatte. Die BDS-Kampagne fordert ein Ende der israelischen Besatzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems, die Israel 1967 erobert hat, und ruft dazu auf, keine israelischen Waren zu kaufen.