Der Tod, seine Exitussi und ihre Werke.
Foto:  Der Tod

BerlinDer Tod kann im Moment nicht auftreten. Der Satz klingt falsch. Die täglichen Informationen im Corona-Block der Nachrichtensender, die Meldungen in dieser Zeitung und überall zeigen auf bedrückende Weise, dass die SARS-CoV-2-Viren immer noch Tausende weitere Menschen sterben lassen. Am Auftritt gehindert ist nur die Bühnenfigur Tod, ein Kabarettist, der stets unter einer schwarzen Henkerskutte verborgen seinen düsteren Witz verbreitet.

Wie all seine unverhüllten Kollegen hat auch er in diesen Wochen keine Bühne, muss er neben den Auftrittsdaten auf seiner Webseite „Ersatztermin in Kürze“ melden.

101 Euro für die Scheinbar 

Aber auch dieser Tod geht weiter um in diesen Tagen. Allerdings nicht so makaber, wie das klingt. Er betätigt sich als Auktionator auf Facebook und per E-Mail. Am Mittwochmittag ist seine zweite Versteigerung zu Ende gegangen. Mit dem Erlös wird jedes Mal ein Theaterchen unterstützt. 101 Euro erhält das Scheinbar-Varieté in Schöneberg. Die erste Runde war für den Kookaburra-Comedy-Club gedacht und erbrachte 75 Euro, am Sonnabend startet die nächste Auktion für das Theater O-Ton-Art, Ende April ist das BKA dran. Mit 100 Euro wird kein Theater gerettet, doch auch dieses Geld und die Aufmerksamkeit können den kleinen Bühnen ein bisschen helfen, über die dunklen Tage zu kommen.

Und was versteigert der Tod? Klopapierhülsen. Das Pappgerippe des begehrtesten Papiers dieser Tage, das leider lächerliche Symbol der Angst vor Isolation, wird im Rahmen der Theaterrettungsauktion zu einem Kunstwerk. Die Exitussi, Bühnenpartnerin des Tods, kritzelt ein Bildchen auf das runde Ding und veredelt es zum Auktionsobjekt.

Ein Schädel als Spardose

Der Mann mit der Ganzkörpermaske, der anonym agiert, ist schon länger daran interessiert, seine makabren Scherze durch besondere Fürsorge auszugleichen. Bei seinen Auftritten sammelt er Geld für Kinderhospize und Kinderkrebsstationen, als Spardose dient ein Schädel.

75 oder 101 Euro werden ein Theater nicht am Untergang hindern, dafür braucht es, je länger die Spielpausen dauern, andere Maßnahmen. Auch die Crowdfunding-Kampagne „Fortsetzung folgt“ für die Berliner Kinos kann vielleicht nur wenig mehr als symbolische Hilfe leisten. Dennoch nützt alles, was die Häuser im Gedächtnis des Publikums hält, bis es das Heimkino wieder verlassen kann.