Die brutale Geschichte hatte sich wiederholt. Als die Berliner Zeichnerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867-1945) dieses Mahn-Fanal der abgehärmten, drei Kinder beschützenden Frau auf den Lithostein zeichnete, war das ihr einziger Ausdruck für den Schmerz, die Verzweiflung. Darüber, dass wieder ein Krieg tobte, Hitler Europa und die Welt mit Grauen überzog, Generationen und Kulturen auslöschte.

„Saatfrüchte dürfen nicht vermahlen werden“ wurde zu einer der stärksten, aber damals auch ohnmächtigsten künstlerischen Metaphern gegen den Weltenbrand und das sinnlose Sterben. Die Kollwitz hatte ihren jüngeren, freiwillig eingerückten Sohn Peter gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs an der flandrischen Front verloren. Und sie war von einer anfänglichen Patriotin zu einer rückhaltlosen Kriegsgegnerin geworden. Dann, im Zweiten Weltkrieg, fiel 1942 ihr Enkel, der ebenfalls Peter hieß, an der Ostfront. Die alte Künstlerin zerbrach an diesem Schicksal in der inneren Emigration in Moritzburg nahe Dresden. Das Kriegsende hat sie nicht mehr erlebt.

„Ein jeder Krieg hat seinen Antwortkrieg schon in der Tasche...“, resümiert sie schon lange davor bitter im Tagebuch. Jeder ihrer herben, schroffen, kargen Kohlestriche, jede Figur, jede Szene auf dem Zeichenpapier, jede Plastik trägt seit 1914 die Botschaft: „Nie wieder Krieg!“

Zu dieser insistierenden, mahnenden, trauernden Kunst verhält sich in einer bezwingenden, von Gudrun Fritsch und Pay Matthis Karstens bewundernswert kuratierten Ausstellung die der Ungarin Kata Legrady. Die 40-Jährige setzt nachgerade auf ästhetische Konfrontation – was zum Nachdenken darüber zwingt, wieso große Teile der Menschheit nichts aus der Geschichte gelernt haben. Legrady mischt Skulptur, Foto, Zeichnung, Collage, macht so das gefährliche Spannungsverhältnis von Gewalt, Macht und Konsum fast körperlich erfahrbar. Die Verführung also.

Der afrikanische „Kindersoldat“ etwa ist von bunten Smarties umgeben, geometrisch aufgereiht wie ein süßes Farbenspiel. In anderen Arbeiten sind Waffen mit Disney-Figuren, Kuscheltieren – und immer wieder mit bunten Süßigkeiten kombiniert. Kinder wissen nicht, was sie tun! Ein bestürzender Anblick.

Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Fasanenstraße 24 (Charlottenb.). Bis 9. November, tgl. 11–18/Di bis 21 Uhr. Begleitprogramm: www.kaethe-kollwitz.de.