BerlinHeimatkunde. Das Wort kommt mir bei diesem Kalender in den Sinn. Es bezeichnete dereinst im kleineren Deutschland ein Schulfach, in dem sich unschuldige Naturbeobachtung neben Fahnenlob reihte. Der Grafiker Manfred Butzmann benutzte das Wort damals als Titel für seine Fotoserien aus dem trostlosen DDR-Alltag, sie hatten oft einem ironischen Knick in der Optik. Der Fotograf Jürgen Hohmuth dagegen hat jene Zeit und die kurz danach dokumentarisch eingefangen, hat festgehalten, was normal war: Arbeit, Wohnen, flüchtige Freuden. Seine Kalender aus den Achtzigerjahren und vom Anfang der Neunziger heißen nicht Heimatkunde, sondern nach einer – ebenfalls untergegangenen – Postleitzahl: „1055“.

Die Mauer hat ihren Schrecken verloren, Kneipen sind verschwunden, längst verwitterte Schilder hängen noch, neue Waren quetschen sich in alten Regalen, die Häuser tragen  bröckelnden Putz. Heute wirken Hohmuths Bilder wie Lückentexte. Es ist so viel Platz in den Straßen und auf den Plätzen von Prenzlauer Berg, die er fotografierte. Kein Stadtbezirk hat sich seit der deutschen Vereinigung so deutlich verändert wie jener zwischen Wasserturm und Bornholmer Straße. Heute ist das eine attraktive Gegend.

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