Mit der Roboterin (Zoe Moore) will Jerome (Oliver Mommsen) das Amt täuschen.
Foto: imago images

Berlin Dass am 16. März 1989 Peter Zadeks Inszenierung von Alan Ayckbourns „Ab jetzt“ in Berlin Premiere hatte, wäre nicht unbedingt ungewöhnlich gewesen, schließlich arbeitete er hier immer mal wieder. Bloß wo er dies tat, sorgte für einiges Aufsehen – nämlich in der Komödie am Kurfürstendamm und nicht an einer der „ernsten“ Bühnen. Einer seiner Assistenten war damals Martin Woelffer, der jetzige Intendant der Komödie, die inzwischen im Schiller-Theater daheim ist. 

Dort hat er nun selbst „Ab jetzt“ inszeniert. Er hat es nach besten Kräften und redlich getan und dabei bestimmt manchmal an Zadek gedacht. Allein ein großer Wurf ist ihm leider nicht gelungen. Und so wirkt die Geschichte um den besessenen Komponisten in seiner Wohnung voller Tonbandgeräte und Synthesizer, den seine Frau mit der gemeinsamen Tochter verlassen hat, ziemlich zäh.

Lesen Sie auch: Week of the Proms: Böse Spiele im Berliner Theater >>

Dass er von einem Nachbarn einen ungenügend programmierten Roboter hat, den er als seine Freundin ausgibt, um dem Herrn vom Jugendamt eine intakte Paarbeziehung vorzugaukeln, macht die Sache nicht flotter. Der Bühnenbildner Tom Presting hat das zugemüllte Wohn-Tonstudio im Stil der späten 1980er-Jahre entworfen, mit einem frühen Bildtelefon neben einem alten Loewe-Röhrenfernseher, in dem irgendwann ein digitales Kaminfeuer flackert.

Komödiantische Fallhöhe fehlt

Überaus hölzern und angestrengt spielt Oliver Mommsen den Komponisten-Nerd, dem seine heimlich aufgenommenen Naturklänge (Gespräche mit Gästen, Lustschreie einer Geliebten) wichtiger sind als diejenigen, denen er sie raubt. Er will einen Hymnus auf die Liebe schaffen, ist jedoch völlig liebesunfähig. Die Inszenierung vermag die Abgründe dieser Komödie nicht auszuloten, mogelt sich bräsig über die angedeuteten Konflikte zwischen den Geschlechtern, im Umgang mit der Privatsphäre und im Verhältnis von Kunst und Leben, von Mensch und Maschine herum.

Zoe Moore und Nicola Ransom geben der Roboter-Frau GOU 300 F sympathisch anarchische Züge, Ransom zeigt dann später die Ehefrau in ihrer absurden Zerrissenheit zwischen der Liebe zu ihrem Mann und dem Leiden an dessen chauvinistischen Marotten. Manches ist zum Lachen, denn Ayckbourns Pointen zünden zuverlässig, nur was der Aufführung insgesamt fehlt, ist komödiantische Fallhöhe und gekonntes Timing, sie schleppt sich trübtassig und schwerfällig dahin. Und wenn zu schlechter Letzt noch Jeromes Liebes-Apotheose wie eine schlimme Mischung aus Philipp Glass, David Guetta und Avicii-Remixes losdröhnt (Musik: Michael Witte), ist endgültig Schluss mit lustig.

Ab jetzt. Bis 8.3., Komödie im Schiller-Theater, Karten unter Tel.: 88591188