Das Auftreten Jesu fand durch seine Hinrichtung in Jerusalem ein Ende. Die Kreuzesinschrift „Der König der Juden“ liefert das politische Motiv für die Exekution. Pontius Pilatus, Statthalter von Judäa 26–36 n.Chr., hatte Jesus offenbar für einen Aufrührer gehalten.

Der Schein, dass damit alles zu Ende war, trog. Dem Schock von Karfreitag folgte alsbald der Osterjubel. Frauen und Männer aus Jesu Umgebung sahen ihn in mehreren Visionen lebendig; der Glaube, dass Gott Jesus von den Toten erweckt habe, verbreitete sich blitzartig. Jetzt konnte man dort anknüpfen, wo der Meister seinen Auftrag nicht hatte vollenden können, und das jüdische Volk letztmalig zur Umkehr rufen.

Mehr noch: Die Jerusalemer Christen, deren Muttersprache aramäisch war, steigerten die Bedeutung Jesu, indem sie Geschichten von seinem wunderbaren Wirken erzählten, und machten die Taufe Johannes des Täufers zur Taufe im Namen Jesu. Damit wurden die Gläubigen Jesu kraftvollem Namen unterstellt, der sie vor der Macht der bösen Geister schützen sollte. Kein Wunder, dass die Jünger den auferstandenen Jesus nun als „Herrn“ anriefen und bei gemeinsamen Mahlzeiten, von endzeitlicher Freude erfüllt, seine schnelle Wiederkunft auf den Wolken des Himmels mit der Gebetsformel erflehten: „Unser Herr, komm!“ (aramäisch, marana tha).

Die Vision von Damaskus

Trotz der genannten Besonderheiten verstanden sich die Christen in Jerusalem als Teil des jüdischen Volkes, nahmen am Tempelkult teil und lebten gemäß der Thora. Von außen gesehen, waren sie eine jüdische Vereinigung, die sich – wie so viele andere jüdische Gruppen – als die Gemeinde der Endzeit, als den erwählten Rest Israels ansah.

Fast genauso alt wie die Gemeinde von Jerusalem ist die in Damaskus, einer Stadt von ca. 45.000 Einwohnern an der östlichen Grenze des Imperium Romanum – zugleich Außenposten römischer Macht und wichtiger Umschlagplatz für den internationalen Handel. Mehrere Hauptstraßen führten durch Damaskus.

Erst Christen verfolgt, dann selbst zum Glauben bekehrt

Die dortigen griechischsprachigen Judenchristen, die auch einige Brocken Aramäisch verstanden, kennen wir allein aus den Briefen des Paulus. Als in Damaskus ansässiger, gesetzestreuer Pharisäer stellte er ihnen nach. Dann aber bekehrte er sich plötzlich zu dem Glauben, den er vorher verfolgt hatte, und sah den ihm persönlich unbekannten Jesus in einer Vision. Kurze Zeit darauf musste er vor dem Oberhaupt der Nabatäer aus Damaskus wegen missionarischer Aktivitäten fliehen. Christliche Brüder vor Ort ließen ihn darauf durch ein Fenster in einem Korb sicher durch die Stadtmauer der syrischen Metropole hinunter.