Zu einem Konzert vor einer ungewöhnlich kurzweiligen Kombination unterschiedlicher Publikumsgruppen ist es am Mittwochabend im Berghain gekommen; im ausverkauften Klub stellte die Sängerin, Keyboardbedienerin und Kurzhaarfrisurträgerin Karin Park ihr neues Album „Apocalypse Pop“ vor. Karin Park kommt aus Norwegen, sie spielt einen phasenweise recht düsteren, neuerdings indes wieder aufgehellten Elektropop und singt dazu mit einer oft nur knapp vor dem hysterischen Quengeln haltmachenden, mithin an Björk erinnernden Stimme. Sie hat mit Bassmusik-Avantgardistinnen wie Maya Jane Coles zusammengearbeitet, aber auch den norwegischen Beitrag zum Eurovision Song Contest 2013 komponiert; deswegen und, wie ich vermute, auch wegen ihrer Kurzhaarfrisur erfreut sich Karin Park, insbesondere bei jungen Lesben großer Beliebtheit.

Bei ihren Konzerten wird sie wiederum von ihrem Bruder David Park am Schlagzeug begleitet, einem kräftigen Wikingerkerl mit einem bezaubernden blonden Bart, der beim Bedienen seines Instruments stets ein T-Shirt mit dem Logo der US-amerikanischen Thrash-Metal-Band Slayer zu tragen pflegt, weswegen sich unter die jungen Lesben im Berghain viele ältere heterosexuelle Männer mit einem Faible für US-amerikanischen Thrash-Metal gemischt hatten sowie noch mehr homosexuelle Männer mit einer gemeinsamen Vorliebe für kräftige Wikingerkerle mit bezaubernden blonden Bärten – tatsächlich könnte man sich David Park auch gut bei einer der Bärenpartys in der Berghain Kantine vorstellen.

Auf der Bühne des Berghain sah es dann aber etwas sonderbar aus, wie er mit seinen kräftigen Händen die zarten Beats der Musik seiner Schwester in sein Instrument zwirbelte; im Grunde, dachte man, würde er lieber ein ordentliches Thrash-Metal-Doppelbasstrommelfeuerwerk abbrennen. Durfte er aber nicht, denn auf ihrer neuen Platte konzentriert Karin Park sich noch mehr denn je auf einen konventionell rhythmisierten und auch sonst dramaturgisch vorhersehbaren Achtzigerjahre-Retro-Synthpop, der zügig eine anödende Wirkung entfachte. Positiv ist hervorzuheben, dass sie bei einigen Stücken auf einem Umhängekeyboard spielte, einem Instrument, das ich zuletzt bei Herbie Hancock und Modern Talking gesehen habe und das heute viel zu wenig und insbesondere von Frauen fast gar nicht genutzt wird, während Karin Park darauf nicht nur virtuos zu solieren verstand, sondern es – der besondere Pfiff – auch im Sitzen bediente, eine Vorgehensweise, über die ich nach dem Schluss des Konzerts noch lange nachdenken musste.