Ein Wort in der Nachricht der Familie vom Tod des Schriftstellers Karl-Heinz Jakobs irritiert. Er ist am Mittwoch nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben, „in seiner Wahlheimat Velbert“, wie es in der Mitteilung heißt. Es ist die Behauptung der Wahlheimat, die innehalten lässt. Denn dass Jakobs nach Nordrhein-Westfalen zog, hat mit einem Bruch in seiner Biografie zu tun, dem eine Lebensentscheidung vorausging.

Karl-Heinz Jakobs stammte aus Ostpreußen, er musste noch als Flakhelfer in der Wehrmacht dienen. Nach dem Krieg versuchte er sich in verschiedenen Berufen, auch auf der Baustelle des Kraftwerks Trappendorf in der Lausitz, von wo er 1956 zum Literaturinstitut nach Leipzig delegiert wurde. Seither war er ein Schriftsteller, wohnte in Ost-Berlin. Jakobs reiste viel und schrieb darüber, er ging freiwillig in die Produktion, um zu sehen, wie die Menschen die neue Gesellschaft aufbauten. Deshalb wirkten nicht nur seine Reportagen, sondern auch seine Romane so lebendig.

Mit ihrer dialogreichen Handlung und Jakobs’ Gespür für Konflikte drängten einige Bücher sich zur Verfilmung auf. Sein erster Roman, „Beschreibung eines Sommers“ (1961) um einen Frauenheld auf einer Industriebaustelle, war ein Bestseller. Im Film spielte Manfred Krug die Hauptrolle. In seinem Roman „Eine Pyramide für mich“ (1971) ließ er einen Ingenieur eine andere Baustelle im Abstand von zehn Jahren zwei Mal aufsuchen. Jakobs bekam dafür den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste, wurde Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR. Sein nächster großer Roman führt zwar wieder in die Produktion, in die Feinmechanische Fabrik von „Wilhelmsburg“, wie auch das Buch heißt, konnte aber 1979 schon nicht mehr in der DDR erscheinen.

„Mangelndes dialektisches Verständnis der Wirklichkeit der DDR“ warf man ihm vor, als das Manuskript abgelehnt wurde, doch Jakobs schaute genau auf die Verhältnisse, als er seinen Helden kritisieren lässt, dass in der Fabrik Panzerketten hergestellt werden sollen.

Damals hatte Karl-Heinz Jakobs schon seine freundliche Beobachterposition verlassen. Er war aus der SED ausgeschlossen worden, weil er den Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet hatte. Und er war mit acht Kollegen wie Klaus Schlesinger, Adolf Endler und Rolf Schneider aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen worden, die gegen die Kriminalisierung Stefan Heyms protestierten, der ein Manuskript in den Westen gegeben hatte.

Mit seiner Existenz als Schriftsteller war es für Karl-Heinz Jakobs in der DDR vorbei. 1981 ging er mit seiner Frau in die Bundesrepublik und wählte sich dort gezwungenermaßen eine neue Heimat. Der große Erfolg blieb dort aus. Er veröffentlichte den Roman „Die Frau im Strom“ und 1983 die Erinnerungen an „Das endlose Jahr“, das der Biermann-Ausbürgerung folgte. 1999 erschien noch einmal ein Roman: „Leben und Sterben der Rubina“ über eine Frau im politischen Mahlstrom des 20. Jahrhunderts.