Kathrin Röggla entwirft in „Bauernkriegspanorama“ ein dunkles, aber quirliges, geradezu zappeliges Rundbild der deutschen Gegenwart. Corona kommt noch nicht vor. Interessant, dass es die optischen Eindrücke zwar stark geprägt hätte, in der Sache aber wirkt der Text dadurch keinen Deut weniger aktuell. Das Grüppchen, das den Ausgangspunkt bildet, hätte bloß andere, weitere, entsprechende Parolen auf den Plakaten und Lippen. Die Schriftstellerin Kathrin Röggla hat damit den Wortmeldungen-Literaturpreis für kritische Kurztexte gewonnen, den die Crespo Foundation auslobt. Er ist mit 35.000 Euro dotiert und wird 2020 zum dritten Mal verliehen. Der Text liegt jetzt als Buch vor.

Das berühmte, das eigentliche „Bauernkriegspanorama“ stammt von Werner Tübke (1929–2004) und ist – unbedingt einen Besuch wert – in einem eigens dafür entworfenen Bau bei Bad Frankenhausen in Thüringen zu sehen. Die Eröffnung im September 1990 markiert einen äußersten Punkt der an dieser Stelle noch einmal faszinierenden und komplexen DDR-Kulturgeschichte, aber nicht darum geht es hier, sondern um das unfassbar große Rundbild selbst. Tübke hielt darin – mit vielen Gegenwartsbezügen – Entschlossenheit, aber auch Wirrnis, Verzweiflung und Verlorenheit rund um Thomas Müntzer und die Schlacht bei Frankenhausen 1525 fest. Dabei stellte er überhaupt ein Panorama der Zeit (der Renaissance), um nicht zu sagen: des menschlichen Lebens zu allen Zeiten her, auch wenn das keineswegs sein Auftrag gewesen war. Man braucht Hilfe, um sich auf diesem Bild zurechtzufinden.

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