Die Scorpions.
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Berlin - In der Geschichte der Popmusik klingt vieles verdächtig ähnlich. Der große Beatle George Harrison wurde seinerzeit dazu verurteilt, rund 1,6 Millionen Dollar an einen amerikanischen Musikverlag zu zahlen, weil „My Sweet Lord“ starke Analogien zu dem sieben Jahre zuvor veröffentlichen Song „He’s so Fine“ der Mädchenband The Chiffons aufwies. Man verständigte sich darauf, dass Harrison hier wohl eher unbewusst kopiert habe.

Heute streitet man um sekundenkurze Loops, das Ähnliche verfügt über seine ganz eigene Klangästhetik, und Zuwiderhandlungen können langwierige Gerichtsverhandlungen nach sich ziehen. So weit ist man im Fall des Literaturnobelpreisträgers Bob Dylan noch nicht. Aber Musik-Archäologen haben schon einmal vorsorglich darauf hingewiesen, dass Dylans neues, vom Album „Rough and Rowdy Ways“, vorveröffentlichtes Stück „False Prophet“ starke Analogien zu einem Blues-Stück von Billy „The Kid“ Emerson aufweise: „If Lovin’ Is Believin’“.

Hören ist vergleichen, und in diesem Fall wird Dylan zugute gehalten, dass er schon sehr vielen Musikern durch freundliches Zitieren seine Referenz erwiesen hat. Und natürlich gab es bereits angemessene Ehrerbietung in Dylans legendärer Radio-Show „Theme Time Radio Hour“. Schnödes Kopieren ist Dylans Sache nicht. Hat so viele Blätter, das große American Songbook.

Einer ganz anderen Art von Verdächtigung ist unterdessen die deutsche Band The Scorpions ausgesetzt. Deren Stück „Winds of Change“ soll nämlich von der CIA geschrieben worden sein. So behauptet es jedenfalls der Journalist Radden Keefe, ein Mitarbeiter des Magazins New Yorker. Beweise? Eher schwierig. Keefes Podcast breitet vielmehr eine lange, über verschiedene Schauplätze führende Indizienkette aus. Aber will man das wirklich alles glauben? Verschwörungstheorien sind, anders als viele gerade glauben, oft einfach nur ermüdend.