Das zwölfjährige Wunderkind Keedron Bryant.
Foto: Johnnetta Bryant

Mit Keedron Bryant ging es ziemlich schnell. So schnell, dass selbst die Promoter des Plattenlabels Warner Music sagen: „Wir hatten nicht mal die Möglichkeit, ein Fotoshooting zu organisieren – wir haben nur dieses eine Foto.“ 

Dieses eine scheint aus dem Kinderzimmer des zwölfjährigen Jungen aus Jacksonville, Florida, zu stammen. Aufgenommen hat es seine Mutter Johnnetta. Sie war es auch, die den Song für ihn geschrieben hat, der nun zum viralen Hit geworden ist: „I Just Wanna Live“. Es ist eine emotionale Reaktion auf den Tod von George Floyd in Minneapolis. In Windeseile wurde er zu einem wichtigen Signal der Black-Lives-Matter-Bewegung.

Mit hoher Stimme singt Bryant darin auf berührende Weise über sein Dasein als Afroamerikaner und den Wunsch, einfach nur zu leben. „Gott schütze mich“ heißt es im Refrain,„I Just Wanna Live“.

Die erste Version seines Liedes dauert nur 50 Sekunden, in den sozialen Netzwerken wurde es als Video hochgeladen. Das reichte aber aus: Binnen drei Wochen wurde der Song auf Instagram mehr als drei Millionen Mal angeschaut. Persönlichkeiten wie Barack Obama, LeBron James und Janet Jackson teilten ihn. Das Echo wurde so groß, dass auch das Plattenlabel Warner Music von dem jungen Talent erfuhr und ihn nun unter Vertrag nahm. 

„I Just Wanna Live“ wurde daraufhin im Studio eingespielt. Eine coole Soulversion hat Rihannas Produzent Dem Jointz draus gemacht – und die A-cappella-Vorlage verlängert, 500.000 Spotify-Streams folgten.

Ganz aus heiterem Himmel kommt der Song allerdings nicht. Bryant hat bereits Übung im öffentlichen Singen. Seine Eltern, zwei Pfarrer, steckten ihn früh in den Gospelchor, später nahm er an einen Talentwettbewerb für Kinder im Fernsehen teil und veröffentlichte Musik auf YouTube. Er hat sich also gut auf seine Karriere vorbereitet. Und jungen Menschen kann es ja gar nicht schnell genug damit gehen.