Kommissar (Karl Markovics, l) mit seinem mitgereisten Assistenten Freitag (Stefan Pohl).
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BerlinMein Lebtag hab ich noch nie so viel Schnee gesehen!“ ruft die Urlauberin im Hotel. Was derzeit für viele Wintersportler ein Wunschtraum ist, wird hier zum Albtraum. Das abgelegene Alpenhotel „Edelweiß“ liegt ganz in Weiß, alle Wege sind verweht, sogar die Telefonnetze gekappt. Die Vollpension besteht nur noch aus Suppe, die Gäste begehren auf. In dieser ohnehin aufgeheizten Stimmung wird ein Gast erstochen aufgefunden, die Zimmertür von innen verriegelt. Bald darauf wird auch seine Tischdame (Sunnyi Melles) erstochen.

Doch wie so häufig im Kriminalfilm, ist auch hier ein Kommissar ganz zufällig vor Ort. Der Wiener Jonas Horak (Karl Markovics) hat sogar seinen Assistenten namens Freitag (Stefan Pohl) mit in den Skiurlaub gebracht. Sie beginnen sofort mit ihren Ermittlungen gegen einen Täter, den Horak abwechselnd „infernalisch“ und „teuflisch genialisch“ nennt. Schon bald ist sich der Wiener Profi sicher, dass er vor versammelter Belegschaft den Mörder bloßstellen kann. Das alles klingt nach einer altenglischen Kriminalposse im Stile von Agatha Christie und Co, und zumindest die verstaubte Atmosphäre in einem schlossähnlichen, aber schon reichlich abgenutzten Hotel passt dazu.

Wie im Hotel "Kaiserin Elisabeth" am Starnberger See

Doch der Autor stammt nicht etwa aus dem 19. Jahrhundert, sondern ist sehr gegenwärtig. Daniel Kehlmann hat für diesen Landkrimi des ORF sein erstes Original-Drehbuch geschrieben. Einige seiner Romane, wie „Ich und Kaminski“ und „Ruhm“, waren ja fürs Kino verfilmt worden, kamen beim Publikum aber nicht recht an. Mit dem Wissen um diesen besonderen Autor darf der Zuschauer seine eigenen Kombinationen anstellen und darauf hoffen, dass hier nicht nur die üblichen Täter-Such-Spielchen veranstaltet werden.  

Tatsächlich entwickelt sich „Das letzte Problem“ zu einer Krimigroteske, in der Realität, Einbildung und Wahn immer stärker ineinander übergehen. Zum gern wiederholten Symbol wird der Goldfisch, der in seinem Aquarium so eingeschlossen ist wie die Gäste im Hotel, der aber über besondere Fähigkeiten verfügt. Denn der Goldfisch hat Rezeptoren für das UV-Licht und sieht mehr als der Mensch. Er sieht einfach alles, erklärt ein Meeresbiologe – der prompt zum ersten Mordopfer wird.

Karl Markovics spielt nicht nur eine Hauptrolle, sondern hat den Krimi auch gekonnt in Szene gesetzt. Mitspieler wie Maria Fliri als Hoteldirektorin, Max Moor als ihr Bruder oder Marc Hosemann als Gast dürfen ihre Figuren leicht überzeichnen, so dass der Film auch seine skurrile Note betont. insgesamt bleibt „Das letzte Problem“ im Schaffen von Daniel Kehlmann aber eher ein Zwischenspiel, in dem er beweist, dass er mit dem Genre spielen kann. Doch das ahnte man auch vorher.

Das letzte Problem 20.15 Uhr, Arte