Die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) hat kürzlich das Ende der Amtszeit von Christian Thielemann als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden verkündet. Sein Vertrag wird 2024 nicht verlängert. 

Thielemann hatte immer wieder Probleme mit seinen Arbeitgebern, weil er unangepasst ist und sagt, was er denkt. In Berlin etwa verließ er die Deutsche Oper im Streit, weil er mit Gehaltsforderungen für seine Musiker auf taube Ohren stieß.

Nachdem er in Dresden unterschrieben hatte, sagte Thielemann, er sei „endlich angekommen“. Er hat in Dresden nach übereinstimmender Meinung künstlerische Höchstleistungen hingelegt. Der Rektor der Musikhochschule, Axel Köhler, sagte dem MDR, Thielemann habe die Staatskapelle auf Weltklasse-Niveau geführt. Sein Abgang aus Dresden kommt nach Ansicht von Rektor Köhler viel zu früh, weil sich die Staatskapelle gerade auf dem Höhepunkt ihrer Leistungskraft zeige. Die Musikkritik bescheinigt ihm und dem Orchester herausragende Leistungen.

Zuletzt gab es Streit, weil die Intendanz Thielemann untersagte, „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss aufzuführen. Mit 100 Musikern könne eine coronakonforme Arbeit nicht sichergestellt werden.

Thielemann war maßlos enttäuscht darüber, dass „es bei uns am Haus nicht mehr Anstrengungen gegeben hat, da etwas zu ermöglichen“. Thielemann war 2015 in Dresden kurz unter Beschuss geraten, als er forderte, man müsse „auf die Fragen hören, mit denen uns das Phänomen Pegida konfrontiert“. Er distanzierte sich gerade noch rechtzeitig von der Bewegung.

Der Grund des jähen Endes seiner Zeit in Dresden kann jedoch nicht in einer politischen Aussage liegen. Thielemann hatte im Dezember 2020 gesagt, dass „diese Corona-Geschichte“ eine „Art Generalstrafe für das ewige Herumreisen, die Energieverschwendung“ sei, ein in ökologischen Milieus durchaus verbreiteter Standpunkt. Thielemann hielt sich in der Pandemie mit Wortmeldungen zurück.

Die Mitteilung der Ministerin signalisiert vielmehr einen fundamentalen Wandel, der im Grundsatz bald an vielen Orten stattfinden könnte: Die Oper der Zukunft werde „neue Wege zwischen tradierten Opern- und Konzertaufführungen und zeitgemäßer Interpretation von Musiktheater und konzertanter Kunst gehen müssen“. Man wolle neue Zielgruppen und eine stärkere „Nutzung digitaler Angebote“. Im Klartext: Die Opernhäuser müssen sich nach Corona auf massive Sparprogramme und inhaltliche Neupositionierungen einstellen. Eine Spezialisierung auf die Musik der Deutschen Romantik erscheint auch in Dresden nicht mehr als zeitgemäß.