Dresdner Semperoper
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BerlinDie Verteidigungsfront hielt nicht allzu lange. Nach anfänglicher Kritik an der Verleihung des St.-Georgs-Ordens des Dresdner Semperopernballs an Ägyptens Präsidenten Abdelfattah al-Sisi war Ballvereins-Chef Hans-Joachim Frey noch um Beschwichtigung bemüht. Ein Ball sei nun einmal eine kulturelle und keine politische Veranstaltung. Man stehe zu der Entscheidung. 

Allerdings nicht sehr lange. Inzwischen ist Frey zurückgerudert. „Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und uns davon distanzieren. Die Verleihung war ein Fehler“, lautet nun seine demütige Erklärung. Was den Ballverein geritten haben mag, den früheren ägyptischen General und Armeechef, der 2013 durch einen Putsch an die Macht gekommen war und seither als Präsident seines Landes mit autoritärer Strenge und undemokratischen Mitteln gegen Kritiker und Oppositionelle vorgeht, möchte man lieber so genau gar nicht wissen.

Loben und preisen ist kein einfaches Geschäft

Der Hinweis, dass al-Sisi in seinem Land für Stabilität und kulturelle Bildung sorge, muss in den Ohren Betroffener mehr als zynisch klingen. Bemerkenswert ist der Dresdener Fall aber nicht zuletzt auch im Hinblick auf die deutsche Kulturpreislandschaft. Nicht selten jedenfalls scheinen kleine, das liebe lange Jahr über wenig beachtete Institutionen bemüht, etwas vom Ruhm und der Bedeutung der wirklich Mächtigen abbekommen zu wollen. Präsident al-Sisi in Dresden, das hätte zweifellos ein paar über den Tag hinaus haltbare Pressefotos aus der sächsischen Landeshauptstadt ergeben.

Loben und Preisen ist kein einfaches Geschäft, und wer es betreibt, sollte über Kompetenz sowie einen gefestigten Charakter verfügen. Wie der Fall des Literaturnobelpreisträgers Peter Handke unlängst gezeigt hat, bedarf es auch der Bereitschaft, Kontroversen durchzustehen. Eine Kultur des Einknickens jedenfalls ist wenig preisverdächtig.