Am Ufer finden Kommissare Zeiler (Nora Waldstätten, l.) und Oberländer (Matthias Koeberlin, r.) die Leiche einer jungen Frau (Anna Rot).
Foto: ZDF/Petro Domenigg

BerlinEine Wassernixe mit breiter Schwanzflosse und güldenem Haar dreht und rollt sich spielerisch im Wasser in den Tiefen des Bodensees. Dann liegt sie tot am Ufer und Kommissar Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) fragt seine Kollegin Hannah Zeiler (Nora Waldstätten), wie alt Meerjungfrauen eigentlich werden. Die entgegnet ebenso knapp, die Tote sei Mitte 30 und „Mermaiding“ ein Trendsport.

Schon die ersten Minuten locken mit den typischen Elementen dieser deutsch-österreichischen Krimireihe. Immer wieder fordert der sagenumwobene Bodensee seine Opfer – die Mordfälle werden oft mit mystischen Motiven verwoben. Im ersten Fall 2014 spielten keltische Masken eine Rolle, im vorigen Fall wurden Tote auf mittelalterliche Weise drapiert.

Ein ungleiches Kommissarsduo

Ebenso prägend ist das ungleiche Kommissarsduo. Während Matthias Koeberlin als Lindauer Polizist eher etwas kumpelhaft wirkt, wirkt Nora Waldstätten als seine Bregenzer Kollegin so entrückt und kühl, als sei sie selbst einer Fabel entsprungen.

Von Beginn an kamen „Die Toten vom Bodensee“ sehr gut beim Publikum an. Das ZDF erreichte immer mehr als 20 Prozent Marktanteil, oft um die acht Millionen Zuschauer – das sind Quoten am Montag, die ansonsten nur „Tatort“ und „Polizeiruf“ am Sonntag erreichen.

Zunächst lief die Reihe jährlich, seit 2017 zweimal im Jahr. Angesichts dieser starken ZDF-Position ist es seltsam, dass Sat.1 seine Thriller statt dienstags neuerdings ebenfalls montags laufen lässt – der Auftaktfilm der neuen Mystik-Thriller-Reihe mit Susan Hoecke als Ermittlerin Cora Stein dürfte chancenlos sein.

Der Fall um die Meerjungfrau, der neunte Film der ZDF-Reihe, verbindet zwei Milieus miteinander. Das Opfer mit der Schwanzflosse war die Gattin eines renommierten Winzers (Sebastian Bezzel), dessen Familie viel Wert auf Tradition legt.

Doch die Frau hatte den Mann und die Enge verlassen und sich einer hippiesken Surfergruppe angeschlossen. Ihr junger Geliebter (Aaron Friesz) schleppt sich von der ersten Minute an mit einem Messer im Bauch durchs Schilf des Bodensees, flüchtet dann ausgerechnet mit dem Kleinbus von Kommissar Oberländer.

Verdächtig werden sie nacheinander fast alle – sowohl die Surfer, die ihr cooles Leben offenbar als Piraten finanziert haben, als auch die Winzer-Familie, die in kriminelle Machenschaften verwickelt scheint.

Die Story ist nicht sonderlich originell

Die Story von Timo Berndt, der seit dem dritten Bodensee-Fall alle Bücher schreibt, ist nicht sonderlich originell, steigert seine Dramatik aber wie gewohnt zum feurigen Finale hin.

Weiter ausgebaut werden dafür die privaten Hintergründe der beiden Kommissare. Nachdem die Biografie von Hannah Zeiler im sechsten Fall kulminierte, als ihr verschollener Vater als Krimineller enttarnt und von Kollege Oberländer erschossen wurde, wird deren Geschichte verhalten weitergeführt: Ist ein junger Typ aus der Nachbarschaft ein Stalker oder ein Verehrer?

Nora Waldstätten spielt die Irritation der Hannah fast nur mit Blicken. Dramatischer wird es dafür bei Oberländer: Seine Ex-Frau (Inez Björg David) verunglückt und liegt im Koma. Hier brauchen die beiden Kollegen, deren Dialoge mitunter so knapp sind, dass man sie kaum versteht, gar keine Worte mehr.

Die Toten vom Bodensee:

Die Meerjungfrau, am Montag, 20.15 Uhr, ZDF. Oder hier in der ZDF-Mediathek.