Als sich die Stones vor etwas mehr als zwei Jahren für ein paar Tage ins Studio zurückzogen, um das Blues-Album „Blue & Lonesome“ aufzunehmen, klagten die Gitarristen Ron Wood und Keith Richards anschließend über blutig gespielte Finger, so ungewohnt sei der Sound der frühen Jahre gewesen. Mick Jagger, der die Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln angeregt hatte, lästerte zur Veröffentlichung des Albums: Gitarristen sind Weicheier. Da war er wieder, der über 50 Jahre alte Streit zwischen den Alpha-Männchen des Rock, die ewig gespielte und wohl auch gelebte Konkurrenz so unterschiedlicher Stars. Mindestens zwei Dinge aber gibt es, die die Stones seit jeher zusammengehalten haben. Jagger und Richards kennen einander von Kindheit an, lediglich durch einen Schulwechsel Richards unterbrochen. Und trotz der extrovertierten Widersprüchlichkeit der „glimmer twins“ – ein Pseudonym, unter dem sie auch gemeinsam Songs schreiben – verbindet sie eine fast demütige Liebe zum Blues.

Alles von Chuck Berry und Muddy Waters geklaut

Als Jagger und Richards einander 1961 wieder begegneten, hatte Jagger Platten von Chuck Berry und Muddy Waters dabei, das war die Musik, die sie fortan zur Grundlage ihres gemeinsamen Sounds machten. Bei einer Ehrung für Chuck Berry gestand  Richards später: „Es fällt mir schwer, jemanden zu würdigen, von dem ich alles geklaut habe.“

Unverkennbare Riffs und Licks

Der 1943 in Dartford in der Grafschaft Kent geborene Keith Richards gilt als einer der weltbesten Rockgitarristen wegen seiner unverkennbaren Riffs und Licks, kleine instrumentale Phrasen, über die Welthits wie „Satisfaction“ und „Honky Tonk Women“ in weniger als einer halben Sekunde zu erkennen sind. Er verband die musikalische Begabung früh mit einer provozierenden Lässigkeit, die dem Sound der Stones stets etwas Ungeschliffenes und Raues verliehen. Ganz ähnlich war auch der Lebensstil der Band, wobei nie  klar war, was der Imagepflege diente und was tatsächlich durchlitten war. Über seinen Drogenkonsum sagte Richards vor wenigen Jahren mit koketter Selbstironie: „Ich habe in meinem Leben so viel Koks durch die Nase gejagt, dass ich es heute überhaupt nicht mehr vermisse. Ich glaube, die Droge hat resigniert.“

Rolle in "Fluch der Karibik"

Keith Richards Freundschaft mit dem auch als Musiker in Erscheinung getretenen Schauspieler Johnny Depp brachte ihm eine Rolle in der Piraten-Komödie „Der Fluch der Karibik“ ein. Richards spielt darin Captain Teague Sparrow, einen alten Gitarre spielenden Piraten, dessen Aufgabe es ist, den Kodex zu hüten. Der Kodex ist das ungeschriebene Gesetz der Piraten, das die Gemeinschaft der Gesetzlosen fürchtet wie sonst nichts an Land und auf den Meeren. Keith Richards ist, von wem auch immer, damit beauftragt, den Kodex des Blues und Rock zu hüten. Heute wird er 75, kein Alter eigentlich für solch eine Aufgabe.