Vor einige Wochen hatte sich Jim Carrey öffentlich von „Kick-Ass 2“ distanziert: Nach dem Amoklauf von Sandy Hook vom 14. Dezember 2012, bei dem sechs Erwachsene und 20 Kinder getötet wurden, könne er keinen derart gewalttätigen Film bewerben, sagte Carrey. Die „Kick-Ass 2“-Macher konterten prompt. Die 16-jährige Hauptdarstellerin Chloé Grace Moretz erklärte, das sei ja nur ein Film. Der „Kick-Ass“-Comicautor und Produzent Mark Millar wies pikiert darauf hin, dass nichts in dem Film sei, was nicht auch im Skript gestanden habe – da gebe es zwar viele Tote, aber das sei nur Fiktion. Zuletzt sagten Millar und der Regisseur Jeff Wadlow, Carrey sei „wirklich großartig“ in ihrem Film, und die Kontroverse sei „tolle Werbung“.

Das alles klingt unappetitlich und sogar zynisch, nach Schutzbehauptung und Schadensbegrenzung. Die „Kick-Ass“-Comics und -Filme spielen mit Superhelden-Ideen, Selbstjustiz und Gewalt; mutwillig bis lustvoll werden die Grenzen des guten Geschmacks ausgetestet. Im Mittelpunkt steht dabei der New Yorker Teenager Dave Lizewski (im Film: Aaron Taylor-Johnson), ein Schluffi, der zwar keine besonderen Kräfte oder Fähigkeiten hat, aber trotzdem ein Superheld sein will. Im grünen Ganzkörperanzug und mit zwei Knüppeln zieht er los, um als Kick-Ass Verbrecher zu jagen – und bekommt furchtbar was auf die Nase. Erfolgreicher sind das blutjunge Hit-Girl (Moretz), die zehnjährige Killer-Maschine Mindy McCready und ihr Vater alias Big Daddy (Nicolas Cage). Aber Kick-Ass wird zum Internet-Star und zur Inspiration für Leute wie den schnöseligen Chris D’Amico (Christopher Mintz-Plasse), der auch ein Held sein will. Am Ende von „Kick-Ass“ ist Big Daddy ebenso tot wie Chris’ Vater. Ein sadistischer Gangsterboss, Mindy und Dave haben aufgeräumt.

Hier setzt die Fortsetzung an. Dave träumt von einer Rückkehr ins Heldengeschäft und von einem Superteam, Mindy ringt ein bisschen mit Einsamkeit und Pubertät. Der schwerreiche Chris will Rache für seinen Vater und kauft sich als böser Mother Fucker im S/M-Fummel seiner verstorbenen Mutter allerlei Handlanger. Das alles ist schlampig erzählt. Umso kaltschnäuziger wirft sich „Kick-Ass 2“ an seine Zielgruppe ran, Teenager-Jungs, verklemmte Stubenhocker. Denen wird viel Gewalt geboten. Kokett-brutal setzt der Film weniger auf Schießereien als auf Knüppel, Klingen, Schläge, Tritte und Scherben in den Hals. Bösewichter, die auf die Straße fallen, werden zu Matsch gefahren. Heikler ist aber der homophobe, sexistische Unterton des Films. Natürlich hat der Selbstjustizler Colonel Stars and Stripes (Carrey) seinen Schäferhund abgerichtet: Auf das deutsche Kommando „Schwanz!“ hin verbeißt sich der Hund im Schritt der Bösen. Die Vergewaltigung von Daves Freundin scheitert nur an der Erektionsstörung des Mother Fucker.

Es gibt schlechtere und schlimmere Filme, doch das Marketing-Kalkül hinter „Kick-Ass 2“ hinterlässt einen ekligen Nachgeschmack. In Deutschland hat dieser reaktionäre Murks keine Jugendfreigabe erhalten. Das wird den Film aber für Minderjährige im Internet oder auf Disc natürlich nur noch interessanter machen.

Kick-Ass 2 USA 2013. Regie Jeff Wadlow, Drehbuch: Jeff Wadlow & Mark Millar; Kamera: Tim Maurice Jones; Darsteller: Aaron Taylor-Johnson, Chloé Grace Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Jim Carrey u. a.; 103 Minuten, Farbe. Keine Jugendfreigabe.