Kommt jetzt eine Leinenpflicht für Katzen?
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BerlinIn der Zeitung las ich von einem interessanten Vorschlag. Er kommt aus den Niederlanden. Die beiden Umwelt-Juristen Arie Trouwborst und Han Somsen fordern, dass Katzen in der EU nur noch im Haus gehalten werden sollen. Oder, sobald sie das Haus verlassen, angeleint werden. Quasi wie ein Hund, der eine Katze ist.

Als Grund für diese Maßnahme geben die Juristen Umweltschutzgründe an. Allein in den Niederlanden würden freilaufende Hauskatzen jährlich 140 Millionen wilde Tiere töten. Dazu seien in Europa 370 Tierarten durch die Hauskatze bedroht.

Erschüttert über diese Zahlen habe ich meine Katze zur Rede gestellt. Sie ist ein Freigänger. Morgens verlässt sie unsere Wohnung im vierten Stock und geht in den Hof. Ein paar Stunden später, wenn sie Hunger hat, steht sie wieder oben vor unserer Wohnungstür und maunzt. Leider kann sie nicht klingeln. Sie ist zu klein und hat keine Finger. Ich habe meine Katze gefragt: Tötest du andere Tiere? Hast du einen mörderischen Jagdtrieb? Sei ehrlich! Meine Katze hat den Kopf geschüttelt und unschuldig-süß geguckt. Dazu hob sie die rechte Pfote zum Ich-töte-nicht-Schwur. Die linke Pfote aber, das war verdächtig, hielt sie hinter dem Rücken versteckt, so, als würde sie die Finger kreuzen.

Unsere Wohnung hat auch einen Balkon. Dort beobachtet die Katze gerne Vögel. Ich glaube nicht, dass sie die Vögel essen will, es ist eher ein ornithologisches Interesse. Manchmal spricht die Katze auch mit den Vögeln. Eine Art aufgeregtes Miauen und Knurren. Im Katzenhandbuch steht, dass Katzen dies häufig dann tut, wenn sie die Vögel gerne jagen würden, aber keine Chance sehen. Weil die Vögel zum Beispiel auf einem hohen Ast sitzen. Dann werden die Vögel beschimpft. Oder bedroht. Verbal.

Grashüpfer, Dorf-Eichhörnchen und Mäuse

Was spricht unsere Katze da wohl für Worte? „Hey Meise! Du denkst, du bist sicher, da oben auf dem Baum? Ich krieg dich! Da kannst du deinen kleinen, dürren Meisen-Arsch drauf verwetten!“ Antwort der Meise: „Komm doch! Komm doch!“

Oft fahren wir mit der Katze auch ins Haus nach Brandenburg. Dort gibt es einen schönen Garten. Im Garten wohnen andere Tiere, zum Beispiel Grashüpfer und Eichhörnchen. Auf der Jagd nach Grashüpfern hüpft die Katze dann ebenfalls durch Gras. Später werden die Grashüpfer knackend wie Kartoffelchips vertilgt, wobei sie es am schönsten findet, wenn die Hüpfer auch im Mund noch ein wenig hüpfen. Die Dorf-Eichhörnchen aber nehmen unsere Katze überhaupt nicht ernst, weil sie zu langsam ist und aus der Stadt kommt. Sie bewerfen sie mit Haselnüssen und lachen höhnisch.

Zuweilen erwischt unsere Katze eine Maus. Oder einen Regenwurm. Die Mäusejagd galt jahrhundertelang als vom Menschen bewunderte Kernkompetenz im Berufsleben einer Katze. Heute scheint dies unter Umweltzerstörung zu fallen.

Leider trägt unsere Katze die erjagten Mäuse, noch quiekend, gerne ins Haus. Ich finde das unschön, aber im Katzenhandbuch steht, dass man die Katze dafür nicht bestrafen darf. Die Beute sei ein Geschenk, das die Katze dem geliebten Menschen ins Haus bringt. Also bedanke ich mich, aus pädagogischen Gründen, bei meiner Katze für das tolle, halb tote Geschenk. Anschließend versuche ich die arme Maus zu retten, indem ich sie beim Nachbarn über den Zaun werfe. Sollte man Katzen, diese Killermaschinen, zukünftig nur noch im Haus halten? Oder an der Leine führen? Aus Umweltgründen?  

Das ist eine Lösung, gewiss. Noch umweltschonender wäre es doch aber, würden die Katzen den allergrößten Umweltzerstörer, Tier-Vernichter, Planeten-Bedroher und Arten-Ausrotter zukünftig an der Leine führen: den Menschen.

Leo & Gutsch lesen am 5. Januar 2020 in den Wühlmäusen aus ihrem neuen Buch: „Du bleibst mein Sieger, Tiger“.