Wie kann man bloß nach 15 Jahren Abstinenz wieder anfangen zu rauchen! Die Antwort kann ganz einleuchtend sein: Wenn man weiß, dass man eh nur noch ein paar Minuten zu leben hat. Doch das Opfer wird trotz der sechs Kugeln im Leib gerettet, und zwar von einem Notarzt. Das führt nun zur eigentlichen Filmhandlung.

Capone, der Boss einer rumänischen Bande, den man allerdings nie zu Gesicht bekommt, befiehlt nun, den zu töten, der verhindert hat, dass sein Wille geschieht und der Auftragsmord Erfolg hatte: den ahnungslosen Notarzt.

Zwei Killer werden auf ihn angesetzt, die beiden warten in der etwas gesichtslosen Neubauwohnung des Arztes auf dessen Rückkehr. Später fährt der eine noch zu einer Tankstelle, um Zigaretten zu kaufen. Mehr Schauplätze gibt es nicht in diesem Film, den der rumänische Regisseur Florin Piersic jr. gedreht hat, der Sohn des rumänischen Schauspielers Florin Piersic.

Sie warten und warten, schließlich heißt der Film ja auch „Killing Time“, und zwar den ganzen Tag, was eingeblendete Tafeln, auf denen die jeweilige Uhrzeit vermerkt ist, deutlich machen. Man hat als Zuschauer also jede Menge Zeit, die beiden zu betrachten. Der eine hat ein hübsch nach oben gezwirbeltes Oberlippenbärtchen, wie man es von den drei Musketieren kennt. Der andere eine unordentlich gebundene schwarze Krawatte. Beiden hängen die weißen Hemden aus den Hosen.

Sie spielen Tischtennis, kochen Tee, der eine liest einen an den Notarzt gerichteten Liebesbrief vor. Der mit der Krawatte bekommt irgendwann einen Anruf aus dem Krankenhaus. Man erfährt, dass sein todkrankes Kind dort gerade operiert wird. Es geht um Leben und Tod, aber Papi muss darauf warten, dass er endlich einen Auftragsmord verüben kann. Statt sich darüber Gedanken zu machen, beschuldigt er Gott, nie dort zur Stelle zu sein, an der er gerade gebraucht wird. Eine Übersprungshandlung? Fass dich an deine eigene Nase, möchte man ihm zurufen. Denn er wirkt doch so, als sei er der Intelligentere von beiden.

Von schier unerträglicher Simplizität und leider in Laberlaune ist sein Killer-Kumpel. Er erzählt langweilige Witze von Zwergen, die in Zirkussen arbeiten und verwickelt seinen Partner in einen Disput darüber, ob Spiderman besser ist als Batman. (Batman, denn er hat das längere Ding) Am Ende sterben der Notarzt, eine zufällig vor die Pistole geratene Nachbarin und deren einjähriges Kind von der Hand des Labersacks. Und auch sein Kumpel muss dran glauben. Er verblutet ganz langsam, nachdem er zwecks Erhöhung der Qualen ins Knie geschossen wurde. Aber ganz ehrlich: Vielleicht ist es besser tot zu sein, als sich weiter dieses Gelaber anhören zu müssen.

Killing Time – Zeit zu sterben Rumänien 2012. Regie und Drehbuch: Florin Piersic jr.; Darsteller: Florin Piersic jr., Olimpia Melinte, Cristian Ioan Gutau; 107 Min., Farbe,

FSK ab 16.