Ein besonderer Genuss bei der Lektüre von Kinderbüchern besteht in ihrer Eigenschaft als behutsame Bewahrer selten gewordener Phänomene. So wird hier etwa die kindliche Sehnsucht nach Schnee noch erfüllt. In dem Roman „Der Winter des Bären“ allerdings in einem Ausmaß, das mit Flockentanz nichts mehr zu tun hat. Die britische Autorin Kiran Millwood Hargrave lässt die Natur zurückschlagen. Ein mythischer Bär hat den Menschen einen Jahre währenden Winter geschickt. In Erscheinung tritt er im Buch nie. An seiner statt rächen sich Tiere und Pflanzen an der Menschheit, die sie so sehr ausgebeutet hat.

Mila, Pìpa und Sanna bekommen das empfindlich zu spüren. Die Schwestern sind aufgebrochen, um ihren Bruder zu suchen. Vor allem Mila ist davon überzeugt, dass er entführt wurde und nicht, wie der Vater vor vielen Jahren, einfach aus dem schweren ländlichen Leben geflohen ist. Die Schlittenhunde bleiben treu an ihrer Seite und ziehen die drei durch das feindliche Weiß. Dennoch werden auch die Mädchen kurzzeitig zu Feindinnen. Sanna, die Älteste, hält nichts von dieser Reise und lässt das ihre jüngere Schwester eiskalt spüren. Natürlich ist Fürsorge ihr Motiv und natürlich Liebe. Diese wiederzufinden, wird sich am Ende als das eigentliche Ziel des Trips herausstellen. Untereinander, aber auch zum Bruder und Vater. Dieser Liebe, so zeigt sich, kann kein noch so harter Winter etwas anhaben. Und so enthält dieses spannende Buch eine wunderschöne Botschaft vor Weihnachten und in Zeiten, in denen familiärer Zusammenhalt wichtiger ist denn je.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.