Emma ist blöd“, steht auf der Schulhofwand. Emma wischt den Satz mit dem Ärmel ihres Anoraks weg und setzt sich dann auf den Boden. Der kurze Film ist an einer Grundschule in Reinickendorf gedreht worden, zu sehen ist er auf dem YouTube-Kanal des Kinderrechte-Filmfestivals, der mehr als 100 000 Abonnenten hat. Das Festival ist Teil des Projekts „Klappe auf! für Demokratie und Kinderrechte“, in dessen Rahmen Pädagogen und Filmemacher in Grundschulen Workshops zu den UN-Kinderrechten veranstalten.

Es geht um Mobbing, Ausgrenzung oder den Umgang mit einem Klassenkameraden, der im Rollstuhl sitzt, und letztlich darum, wie Demokratie funktioniert. Die Kurzfilme wurden jedes Jahr auf dem Kinderrechte-Filmfestival der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit 2017 gibt es dazu noch Trainings für den Umgang mit Cybermobbing und Hasskommentaren – die Internet-Ritter. Doch obwohl das Kinderrechte-Festival mit Preisen ausgezeichnet wurde und seine Reichweite stetig steigt, sah es im Juni so aus, als ob es nicht mehr stattfinden könnte. Es fehlte die Finanzierung, die in den Jahren zuvor durch verschiedene Quellen gesichert worden war.

"Kinder brauchen besondere Rechte gegenüber dem Staat."

Nun kam sie im letzten Moment doch noch. Das Bundesfamilienministerium, das das Festival bereits früher unterstützt hat, werde es 2019 mit 94 000 Euro fördern, so ein Sprecher. Denn das Thema ist für das Ministerium gerade dieses Jahr ein wichtiges Anliegen. Nicht nur, dass 2019 die UN-Kinderrechtskonvention ihr 30-jähriges Bestehen feiern, das Familienministerium will die Rechte von Kindern im Grundgesetz verankern. „Kinder haben das Recht auf eine persönliche Entwicklung, sie haben eigene Bedürfnisse und brauchen deshalb besondere Rechte gegenüber dem Staat“, sagte die Familienministerin Franziska Giffey (SPD) der Berliner Zeitung.

Schutz, Förderung und Beteiligung von Kindern müssten dann zum Beispiel bei der Stadtplanung oder im Bildungs- und Gesundheitsbereich immer mitgedacht werden. Am Mittwoch macht Franziska Giffey Werbung und besucht den ersten Workshop, den „Klappe auf!“ im Schuljahr 2018/2019 veranstaltet: die Kinderrechte-Projektwoche in der Reinhardswald-Grundschule in Kreuzberg.

Am 20. November, dem Internationalen Tag der Kinderrechte, werden die Kurzfilme im Filmtheater am Friedrichshain zu sehen sein. Die Finanzierung ist jedoch nur für dieses Jahr gesichert. Jan Rooschüz vom Landesverband Kinder- und Jugendfilm Berlin e. V., unter dessen Dach das Festival stattfindet, hofft, dass sich künftig die Senatsverwaltung für Bildung engagiert. Was sollte dagegen sprechen?