Die Autorin mit ihrer Mutter in den Siebzigerjahren in der DDR.
Foto: PRIVAT

Berlin - Das sepiafarbene Foto klebt in einem Fotoalbum unter dünnem, weißem Schutzpapier. Man sieht darauf ein altes Haus, an dem der Putz abblättert. Davor eine Frau in Kittelschürze und Pantoffeln, die dunklen Haare werden mit einer Klammer zusammengehalten, sie ist vorgebeugt, man sieht ihr Gesicht nicht. Sie hält mit beiden Händen ein Kleinkind fest. Das Kleinkind ist wohlgenährt, hat dunkle Haare und steckt in einem kurzen schwarzen Kunstlederkleid.

Es muss Ende der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts gewesen sein, in einem Dorf in der DDR. Es war nicht die DDR der modernen Plattenbauten, der Sonderstudiengänge für Frauen, der Exquisit-Läden. 

Es war die DDR der Ruinen, in der Frauen jeden Alters Kittelschürzen trugen, einem Huhn den Hals durchschnitten, sich die Kaffeemühle zwischen die Oberschenkel klemmten; in der Männer immer etwas Schweres auf den Schultern trugen, sich morgens nur im Gesicht wuschen und den ganzen Körper nur zu Feiertagen. Es gab Plumpsklos und an Feiertagen Kaffeelikör und Bienenstich. Gegen Schmerzen legte man den Kindern Säckchen mit heißen Kartoffeln auf die Ohren. Im Schrank der alten Tante lag ein ganzer Koffer voller Geldscheine, das keinen Wert mehr hatte.

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