Über den deutschen Film wird immer wieder gelästert, erfrischenderweise auch seitens der Macher. Kürzlich erst erzählte uns ein namhafter Regisseur, wie er mit Freunden das sogenannte Lola-Saufen zelebriere, benannt nach dem Deutschen Filmpreis, bei dem bekanntlich die Lola-Statuen vergeben werden. Das Lola-Saufen geht nun so: Der Regisseur, der hier aus Gründen des Quellenschutzes anonym bleiben soll, guckt jedes Jahr mit Kollegen die DVD-Kiste mit den für den Filmpreis nominierten Produktionen durch. Dabei legen sie irgendeinen Film ein, und wer diesen dann als Erster nicht mehr aushält, schreit „Stopp“ – muss aber zur Strafe einen Schnaps trinken. Dann wird der nächste Film eingelegt. Das sei, so unsere Quelle, eine wunderbare Art, sich mit deutschen Filmen einen lustigen Abend zu machen. Dem deutschen Film fehle also nichts, das man nicht mit ein paar Schnäpsen ausgleichen könnte.

Je älter der Zuschauer, desto weniger international der Film

Das sogenannte normale, also fachfremde Publikum sieht das indes vollkommen anders. Es braucht mitnichten Schnäpse oder andere Genussmittel mit Suchtpotenzial, um den deutschen Film zu ertragen – nein, im Gegenteil: Es goutiert und liebt das einheimische Kino sogar. Auf eine konstante Besucherreichweite von immerhin 24 Prozent kamen deutsche Filme im Jahr 2014. So steht es jedenfalls in einer neuen Studie der Filmförderungsanstalt (FFA), der man noch weitere interessante Fakten entnehmen kann. Nämlich, dass deutsche Filme im Vergleich zum Gesamtkinobesuch überdurchschnittlich ein älteres Publikum ansprechen: Mehr als jedes dritte Kinoticket – sprich: 35 Prozent – für einen deutschen Film wurde 2014 von Besuchern jenseits der 50 gekauft. Und mit 2,3 Besuchen pro Kopf haben die über 60-Jährigen am häufigsten einen deutschen Film im Kino gesehen. Dabei gelten die mitwirkenden Schauspieler und den Filmen zu Grunde liegenden Buchvorlagen als wesentliche Motive für den Gang ins Kino. Verblüffend: Je älter der Zuschauer, desto weniger international also der Film. Und am aller-aller-beliebtesten sind deutsche Komödien.

Was will das uns, die wir laut Studie selbst zu dieser Zielgruppe des deutschen Films zählen, sagen? Offenbar wächst mit den Jahren die Sehnsucht nach lustiger kultureller Verbundenheit im nationalen Maßstab. Aber halt – doch nicht bei allen! An dieser Stelle bestehen wir darauf, ewig jung, beschwipst und übellaunig zu bleiben, so innerlich.