Wenn du stirbst, kriege ich dann dein i-Phone?“ Kein Krebsfilm ist komplett ohne eine Stelle zum Lachen – auch wenn im Drama „Halt auf freier Strecke“ der Satz des kleinen Jungen gleich mit mehreren tiefschwarzen Ausrufezeichen versehen war. Anders als in Andreas Dresens naturalistischer Fallstudie, die soeben mit vier Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet wurde, bleibt es im amerikanischen Spielfilm „Fifty-Fifty“ über eine Krebserkrankung nicht bei einer einzigen Pointe.

Allerdings stehen die Chancen der Hauptfigur auch deutlich besser: Fünfzig-Fünfzig lautet für Adam, den jungen Moderator einer nichtkommerziellen Radiostation die Prognose. Was ihm die Begleiterscheinungen kaum erträglicher macht: Die Familie muss informiert werden und quält ihn bald mit aufdringlicher Anteilnahme. Die Freundin verspricht sogar aufopfernde Krankenpflege – und tröstet sich dann doch gleich mit einem anderen.

Und die Chemotherapie gestaltet sich zwar in der Gesellschaft zweier lustiger Senioren etwas erträglicher (besonders wenn sie dabei großzügig ihre Haschkekse teilen). Doch die Übelkeit bleibt dieselbe. Der beste Freund des Protagonisten prahlt derweil mit seiner Anteilnahme, um auf diese Weise Frauen aufzureißen. Adam trägt sein Schicksal, so gut es geht. Und folgt damit einem Ethos, den man aus manchen Gefängnisfilmen kennt, wenn die Hinrichtung naht. Der Drehbuchautor Will Reiser, der seine eigene Krebserkrankung verarbeitete, trifft hier einen interessanten Punkt: Warum fühlen sich Leidtragende so schwerer Krankheiten oft zu übermenschlicher Disziplin verpflichtet? Und wie kommt unsere Gesellschaft eigentlich dazu, es zu erwarten?

Der Kragen platzt Adam erst, als man auch noch eine blutjunge Therapeutin auf ihn loslässt. Anna Kendrick, die in „Up in the Air“ so wunderbar hinter die Maske einer jungen Karrieristin blicken ließ, spielt hier eine ganz ähnliche Überfliegerin. Der von Joseph Gordon-Levitt mit viel Understatement verkörperte Adam lehnt sie zunächst vollkommen ab. Und sei es nur, weil man sich ja nicht in seine Therapeutin verlieben soll. Aber warum eigentlich nicht? Der fließende Übergang vom Krankenfilm zur romantischen Komödie bekommt diesem Film gar nicht schlecht.

Dabei besteht dieser unterhaltsame Film genau besehen nur aus Stereotpyen: Der junge Mann ist auf eine recht langweilige Art zu gut für diese Welt, seine Freundin ist es wiederum auf eine auch nicht wirklich aufregende Weise nicht. Seinen von Seth Rogen gespielten Kumpan glauben wir als Couch-Potato schon aus etlichen College-Komödien zu kennen. Und die Psychologin scheint auf den ersten Blick eine fast chauvinistische Karikatur einer Berufsanfängerin in gehobenem Posten.

Dennoch addieren sich diese Anleihen an das Allzu-Vertraute zu einem ungewöhnlichen Ganzen: Wann hat man schon gehört von einer Komödie über Krebs, die weder besonders grell wäre noch eine Groteske? Vielleicht weil diese Geschichte von einem Überlebenden geschrieben wurde, ist die Perspektive so erfrischend: Durch die andere Seite des Schleiers betrachtet, sieht alles sehr viel klarer aus.

„Fifty-Fifty“ ist eigentlich gar kein Kranken-, sondern ein Gesundenfilm. Im Umgang mit dem Leid der anderen stellt er jene menschlichen Schwächen aus, aus denen sich Komödien nun einmal speisen.

50/50 – Freunde fürs (Über)leben. USA 2011. Regie: Jonathan Levine, mit: Joseph Gordon-Levitt, Anna Kendrick, Seth Rogen u.a. 99 Min., FSK ab 12.