Tim und Can haben eine ganz miese Masche. Um Frauen aufzureißen – wie sie es nennen – , gibt einer von ihnen seinen Freund jeweils als todkrank aus. Ach, das sei ja so traurig: Der Gute leide an einem inoperablen Tumor, im Kopf, und deswegen habe er nur noch kurze Zeit zu leben. So ziehen Tim und Can durch die Bars. Einer wirbt an, der andere genießt. Welche Frau mit einem fühlenden Herzen in der Brust möchte dem final siechen Mann nicht noch eine letzte Freude spenden! Und so landet Tim (Max Riemelt) als aktuell „Todkranker“ auch fast im Bett von Marie (Anna Fischer). Doch bevor es zum Äußersten kommen kann, hält die junge Frau inne, denn aus dem Bad nebenan dringen Würgegeräusche in ihr Schlafzimmer. Edda geht es schlecht. Edda ist Maries Schwester und hat Leukämie im Endstadium. Alle Chemotherapien waren vergeblich. Sarkastisch stellt sich Edda dem Rest Leben, das ihr noch bleibt.

„Heiter bis wolkig“ heißt diese für die deutsche Filmlandschaft eher ungewöhnliche und etwas unentschiedenen Produktion. Ungewöhnlich, weil hier zwar jede wirklich tragische, schlimme Szene abfedernd in nette Popsongs und glatte Bilder gebettet ist, der Tod aber doch als großer unbesiegbarer Gegner stehen bleiben darf. Eddas Schicksal wird nicht beschönigt, und mit Jessica Schwarz wurde für die tatsächlich Todkranke eine Darstellerin gefunden, die wider alle Erwartung über sich hinauswächst. Vielleicht sogar etwas zu viel des Guten tut dabei. Aber was heißt hier zu viel – wer kann auf seinen eigenen Tod schon „angemessen“ reagieren. Das begreift auch Tim, der sensiblere der beiden frivolen Aufreißer. Mit ihrem Krankheitswissen hat Edda die Masche der beiden Freunde nämlich schnell durchschaut und erpresst Tim nun ein bisschen: Er muss Edda begleiten, etwa bei einem Rachefeldzug. Weil die schwer kranke Edda nicht mehr so attraktiv und leistungsfähig war, wurde sie mit einem fiesen Trick von ihrer Chefin rausgemobbt. Maries Schwester hat also allen Grund sarkastisch zu sein, aber sie gibt sich nicht geschlagen, und sie hat ja auch nichts zu verlieren. Also jagt sie eine Herde Ziegen in den Blumenladen, wo sie Floristin war.

Natürlich fliegen Tim und Can irgendwann auch bei Marie als Betrüger auf, und dann ist es erst einmal vorbei mit der Liebe zwischen der Logopädin und dem sensiblen Koch. Anna Fischer ist eine sehr jung und zu arglos wirkende Marie, die aber in ihrer Fürsorge für Edda und Empörung über Tim erwachsen wird. Elyas M’Barek spielt Can routiniert als Großklappe ohne Ambitionen. Inszeniert wurde der Film von Marco Petry, der mit „Schule“ debütierte und nun Peinlichkeit und Pathos ganz gut umschifft, dabei aber dem zutiefst Konventionellen – das ja Constantins Markenzeichen ist – verhaftet bleibt. Schon wird Petry eine Meisterschaft im Spezialfach der „Gute-Laune-Melancholie“ attestiert. Allzu viel will man davon bitte nicht! Am Ende hat man dann doch eine Träne im Knopfloch und wundert sich, quasi überwältigt, auch nicht mehr darüber, dass die alten Manipulationsmechanismen des Kinos immer wieder greifen.

Heiter bis wolkig Dtl. 2012. Regie: Marco Petry, Drehbuch: Axel Staeck, Kamera: Jan Fehse, Darsteller: Max Riemelt, Elyas M’Barek, Anna Fischer, Jessica Schwarz u. a.; 99 Minuten, Farbe. FSK ab 6.