Ruhm, so sagt man, ist vergänglich und die Schönheit sowieso. Für eine Handvoll Leinwandikonen freilich gilt das nicht. Man konnte es dieses Jahr wieder in Cannes erleben, wo ein Foto der jungen Marilyn Monroe mit einer Geburtstagstorte das Festivalplakat schmückte: Die Lippen zum Kussmund geformt brachte der Hollywoodstar da eine einsame Kerze zum verlöschen, als sei er nichts selbst auch eine Kerze im Wind gewesen. Zwei Jahrzehnte später, heute vor genau dreißig Jahren, starb der bedeutendste deutsche Filmstar der Nachkriegszeit einen kaum weniger verfrühten und tragischen Tod. Und auch Romy Schneider blieb unsterblich.

Stiegen Cannes-Besucher in diesen Tagen hinab zum Filmmarkt im Untergeschoss des Festivalgebäudes, sorgte dann auch diese tragische Kino-Ikone für Gesprächsstoff. Raymond Danon, 82-jähriger Veteran unter Frankreichs großen Filmproduzenten, suchte noch Investoren für sein Projekt der bislang anspruchsvollsten Filmbiographie über den Star. Geschrieben von einem ihrer Weggefährten, dem Drehbuchautor Jean-Claude Carriere, geht es um ihre letzte Lebensphase und die Kraftanstrengung, nach dem Tod des Sohnes David ihren letzten Film, „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ zu meistern.

Talentiert und charismatisch

Noch immer kann man sich Schneiders letzten Kraftakt kaum vorstellen, den sie damals so erklärte: „Man kann einen Augenblick lang nachdenken, aber dann muss man weitermachen. Stehenbleiben ist für mich nicht möglich. Man stürzt sich in die Arbeit, weil man es tun muss – und es hilft auch ein wenig zu vergessen.“ Keine zwei Monate nach der gefeierten Premiere war Romy Schneider tot. Ihr letzter Lebensgefährte, der französische Produzent Lauren Pétin, fand sie an ihrem Schreibtisch.

Fremdverschulden oder Selbstmord wurden ausgeschlossen, aber für Fans stand die Todesursache gleich fest: Romy Schneider starb an gebrochenem Herzen. Auch wenn dieses rein physisch von jahrelangem Tabletten- und Alkoholmissbrauch zum Stillstand gebracht wurde. Sie wurde nur 41 Jahre alt.

Doch wer Romy Schneiders anhaltende Faszination allein aus ihren tragischen Lebensumständen erklären möchte, wiederholt dasselbe Missverständnis. Denn wie bei allen großen Filmstars liegt auch das Geheimnis von Romy Schneiders Faszination im Zusammentreffen von Talent und Charisma mit einer Kamera.