Callum Turner, Matilda De Angelis - Filmszenenen aus "Der göttliche Andere".
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BerlinRom. Vatikanstadt. Die Wahl eines neuen Papstes steht an. Um vom Jahrhundertereignis zu berichten, finden sich Korrespondenten aus der ganzen Welt am Nabel der Welt ein. Auch der Fernsehjournalist Gregory Spring, der mit Religion zwar überhaupt nichts am Hut hat, beim (vor allem weiblichen) Publikum jedoch gerade schwer angesagt ist und für Quoten sorgen soll. Mit entsprechendem Elan widmet Gregory sich seiner Aufgabe und schüttet Hohn und Spott über den Klerus und seine Rituale aus. Er ist ein erfolgsverwöhnter Schnösel, seiner selbst ein wenig zu gewiss, eitel und arrogant; die ewige Stadt langweilt ihn – bis er, buchstäblich und ausgerechnet, über Maria stolpert.

Und damit beginnen die Turbulenzen, die Jan Schomburgs etwas andere romantische Komödie „Der göttliche Andere“ charakterisieren. Denn auf den sprichwörtlichen ersten Blick verliebt Gregory sich in die so schöne wie ernsthafte Römerin. Während wiederum Maria in dem ansehnlichen jungen Mann eine gute Gelegenheit für einen letzten One-Night-Stand sieht - weil sie nämlich am Freitag ins Kloster gehen will. Die Hindernisse und Widrigkeiten, mit denen sie und Gregory sich alsbald  konfrontiert sehen, hängen genau damit zusammen.

Was ist das, „höhere Gewalt“? Wie weit oben ist sie anzusiedeln? Wer hat Schuld daran, dass Gregory das Pech fortan förmlich an den Sohlen klebt? Schomburg, der hier ein eigenes Drehbuch verfilmt, macht die Probe aufs Exempel, indem er Floskeln fröhlich wörtlich nimmt. Je nachdem, ob man einer eher aufgeklärt-säkularen Weltsicht anhängt oder es mit der Transzendenz hält, also mit Gottvater samt himmlischem Hofstaat, werden gemeinhin entweder „die da oben“ oder „der da oben“ für das eigene Schicksal verantwortlich gemacht.

Und obwohl Gregory zweifelsohne ersterer Fraktion zuzuzählen ist, beschleicht ihn doch alsbald der Verdacht, es mit dem geballten Zorn eines eifersüchtigen Bräutigams zu tun zu haben. Oder ist es womöglich nur der genius loci, der den Luftikus Gespenster sehen lässt? All die virulente Religion in dieser Heimstatt des Stellvertreters Gottes auf Erden, all die Priester, Nonnen, Pilger, Klöster, Kirchen, heiligen Stätten – rufen sie in Gregory womöglich einen waschechten Verfolgungswahn hervor? Fantasiert er sich einen neidischen Christus, wo in Wahrheit nur seine eigene Bindungsangst verantwortlich zu machen wäre?

Ausgerechnet der neu gewählte Papst schlägt vor, Freud’sche Theorien zur Erklärung der seltsamen Phänomene in Erwägung zu ziehen und sägt damit recht eigentlich an dem Ast, auf dem er sitzt. Dabei hätte er auch aus dem Korintherbrief (1.Kor13) zitieren können, wo es abschließend heißt: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Eine Himmelsmacht, der sich am Ende sogar die Macht des Himmels beugen muss. So zumindest wird es behauptet, in diesem liebenswert verrückten, luftig-lustigen Sommersonneliebesfilm. Am Ende ist es also doch wieder eine Frage des Glaubens.

Der göttliche Andere Deutschland/Italien 2020. Regie, Drehbuch: Jan Schomburg,  Darsteller: Callum Turner, Matilda de Angelis, Ronke Adekoluejo u.a., 91 Minuten, Farbe.