Was antwortet man wohl einem Mann, der einen mit den Worten begrüßt „Verlieb dich nicht in mich?“ Am besten gar nichts, oder dem Idioten im Zweifel einfach eins auf die Nase geben – so viel Selbstgefälligkeit hat nichts Besseres verdient. Beth schweigt indes lieber, als sie ihren neuen Job im Büro des Sportwetten-Königs Dink beginnt und solchermaßen von einem ihrer beiden Kollegen begrüßt wird. Und ja, hier sind alle sehr eigen, Dink und Beth eingeschlossen. Dabei hat die Letztere noch nicht mal die Bekanntschaft von Dinks Gattin Tulip gemacht, einer ganz besonderen Blume im Frauengarten.

Im Paradies der Spieler

„Lady Vegas“ heißt der neue Film des Briten Stephen Frears; er ist, wie der Titel schon andeutet, weitgehend im Paradies der Spieler angesiedelt. Wer je in Las Vegas war, weiß, dass die grelle, neon-glitzernde Buntheit dieser Stadt allein schon der helle Wahn ist und eigentlich ausreichend, um zu überwältigen. Doch bestückt mit kuriosen Figuren wie in diesem Film, der darin die Wirklichkeit nur imitiert, ist man gleich restlos hingegeben.

Man nehme etwa Dink, Nachname Heimowitz: Der große, ewig junge und stets drahtige Bruce Willis verkörpert diesen in der Schattenwelt des Glücksspiels erfahrenen Mann mit selbstverständlicher Autorität – ungeachtet oder gerade wegen der fragwürdigen Hemden und Shorts, die er hier vorführt. Dink ist eine Legende in Las Vegas, und dass er die Ex-Stripperin Beth einstellt, weil sie so gut am Telefon ist beim Annehmen von Wetten, macht seine Ehe mit Tulip nicht unproblematischer. Ah, Tulips erster Auftritt ist einer der Höhepunkte dieses Films: Auf eine geschätzte Größe 32 heruntergehungert, rauscht sie wie ein flinkes Streichholz in Leggins und an die 12 Zentimeter hohen Plateau-Sandalen in Dinks Büro, um die Rivalin Beth in Augenschein zu nehmen. Es folgt ein Duell der Blicke, an das kein klassischer Western-Shootout heranreicht. Rebecca Hall, die sonst eher zurückhaltend agiert, spielt die extrovertierte, bis an die Schmerzgrenze schein-naive, sich eigenverantwortlich ins Dilemma reitende und dann herumheulende Beth. Und Tulip? Drei, nein vier Mal muss man hinsehen, um Catherine Zeta-Jones zu erkennen unter dem offensiven Make up und der Lass-mich-jünger-wirken-Frisur. Ein Fest! Dies ist ein ganz großer kleiner Komödienmoment!

„Lady Vegas“ ist zwar nicht Stephen Frears’ stärkster Film; dieser Regisseur hat schon sehr viel pointierter gearbeitet, etwa bei „Immer Drama um Tamara“; ganz zu schweigen vom subtilen Humor in „Die Queen“ oder „Chérie“. Aber irgendwie wird das Unverfeinerte, Oberflächenhafte seines neuen Films der Geschichte und dem Haupthandlungsort Las Vegas auch vollkommen gerecht. Als Klischee wurde die heikle Allianz aus Glücksspiel und Liebe schon in etlichen Filmen und unzähligen Songs artgerecht verhandelt. „Lady Vegas“ tut dies nun wohlwollend, aber auch rechtschaffen verwuselt – und reiht dabei etliche schöne Komödienmomente aneinander. Die man sensibel wahrnehmen sollte, um Genuss an diesem durch Beths Kapriolen mitunter anstrengenden Film zu finden. Denn die Geschichte von Beth ist die eines nur mäßigen Erkenntniszuwachses.

Alle werden unglücklich

Weil sie Dink Avancen macht, muss dieser sie auf Verlangen von Tulip feuern – was Beth einfach nicht versteht! Dink verliert damit aber auch seine Glücksbringerin. Die heuert daraufhin in New York (wo Wetten illegal sind!) bei einem größenwahnsinnigen Buchmacher (herrlich: Vince Vaughn) an und verliebt sich gleichzeitig in einen netten Journalisten, was zu weiteren dramatischen Verwicklungen führt. Kurzum, alle werden erst einmal unglücklich.

Außer Tulip, die sich liften lässt. Irgendwann mündet das Ganze in ein Finale, das ebenso viel Realismus beansprucht wie dieser ganze überkandidelte Film: Er beruht nämlich auf den Erinnerungen von Beth Raymer, die in der Sexindustrie und als Amateur-Boxerin tätig war, später als Fulbright Fellow in Costa Rica, Nicaragua und Panama Glücksspielstrategien studierte und heute Journalistin ist.

Rymers Buch war ein unverhoffter Bestseller in den USA. „Luck be a Lady tonight“ (Frank Sinatra) und „Viva Las Vegas“ (Elvis Presley) heißen zwei Song-Klassiker, die man sich nach dem Film gut wieder mal anhören kann, während man vielleicht die nächste Reise plant.

Lady Vegas USA/GB 2012. Regie: Stephen Frears, Drehbuch: D. v. DeVincentis, Kamera: Michael McDonough, Darsteller: Bruce Willis, Rebecca Hall, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn u.a.; 97 Minuten, Farbe. FSK ab 12. Ab 19.Juli im Kino.