Als hätte das Buch Beine bekommen: „Der Räuber Hotzenplotz“ im Kino

Sechzig Jahre nach Erscheinen der Geschichte von Otfried Preußler gibt es eine neue Verfilmung. Sie ist genau so spannend und lustig, wie sich das gehört.

Der Räuber Hotzenplotz, schön verschlagen gespielt von Nicholas Ofczarek.
Der Räuber Hotzenplotz, schön verschlagen gespielt von Nicholas Ofczarek.Studiocanal GmbH/Walter Wehner Film

Wie macht man heute einen Kinderfilm mit einem Bösewicht, einem Zauberer und einer Großmutter, die glücklich ist, wenn sie ihre Kaffeemühle kurbeln kann? Am besten werkgetreu: Schon als Otfried Preußlers Buch „Der Räuber Hotzenplotz“ vor sechzig Jahren erschien, war es von einer märchenhaften Zeitlosigkeit.

Das Buch über die Abenteuer von Kasperl und Seppel, die den Räuber überlisten wollen und in die Fänge des großen Zauberers Petrosilius Zwackelmann geraten, wurde in 43 Sprachen übersetzt und schon dreimal verfilmt: 1967 als Inszenierung der Augsburger Puppenkiste, 1974 mit einem grobschlächtigen Gert Fröbe in der Titelrolle und 2006 ziemlich albern mit Armin Rohde als Räuber.

Komisch, aber nie lächerlich

Der Film, der jetzt in die Kinos kommt, verzichtet weitgehend auf Schnickschnack aus unserer Gegenwart. Der Regisseur Michael Krummenacher, bekannt geworden durch den Mystery-Thriller „Sibylle“ und die dystopische Serie „8 Tage“, nutzt seine Erfahrung, Spannung aufzubauen, so vorsichtig, dass auch kleine Kinder anschließend süß von diesem Film träumen werden. Er schert sich nicht darum, wie „Harry Potter“ inzwischen das Bild vom Zaubern geprägt hat; ihm und dem Preußler-erfahrenen Drehbuchautor Matthias Pacht sind der Wortwitz im Dialog mit Zwackelmann und die Freundschaft der Jungen wichtiger.

Und aller Grusel, der von Hotzenplotz mit seiner schrecklichen Pfefferpistole ausgeht, hat in seiner schiefen Übertreibung auch eine komische, aber nie lächerliche Note. Der von Preußler bereits als Witzfigur angelegte Wachtmeister Dimpfelmoser erhält von Olli Dittrich den Ernst des guten Komikers.

Die Veränderungen gegenüber dem Buch sind dezent: Kasperl und Seppel haben eine Art Babyphon zur Großmutter, was nicht elektronisch funktioniert, sondern wie ein kilometerlanges Hörrohr. Die handelnden Figuren werden noch vor ihrem chronologisch korrektem Auftreten früh kurz eingeführt, auf dass die Zuschauerkinder sie später  wiedererkennen dürfen. Und statt „Vorsicht Gold!“ wie im Original schreiben Kasperl und Seppel „Vorsicht kein Gold!“ auf die Kiste mit Sand, das macht den Räuber erst recht neugierig.

Die Schauspieler und ihre Kostüme sehen aus wie von F. J. Tripp, dem Illustrator des Buchs, gemalt, ein bisschen bayerisch-trachtenhaft, ein bisschen wie aus der Puppenbühne. Vor allem der Hauptdarsteller Nicholas Ofczarek begeistert mit seiner Spielfreude, Christiane Paul hat als wahrsagende Witwe Schlotterbeck etwas Geheimnisvoll-Verführerisches. Nur die Auftritte ihres ehemaligen Dackels Wasti (durch einen Zauberfehler zum Krokodil geworden) sind zu kurz.

Der Räuber Hotzenplotz. Dtl. 2022. Regie: Michael Krummenacher; Drehbuch: Matthias Pacht; mit: Nicholas Ofczarek, August Diehl, Christiane Paul, Olli Dittrich u.a. FSK ab 0